KW 13: Was hat der tote Gaddafi mit dem Putsch in Mali zu tun?
DAS Pressespiegel vom 24.03.12 - 30.03.12
(Links zu den Originalbeiträgen, keine Haftung der DAS e.V.!)
Was hat der tote Gaddafi mit dem Putsch in Mali zu tun?, fragt diese Woche die ZEIT - und gibt die Erklärung(sansätze) gleicht hinzu: Die Rückkehr der "ewigen Verlierer der Region", nämlich der Tuareg-Rebellen, aus Libyen, wo sie der harte Kern des schmelzenden Oberst-Netzwerkes waren, soll hinter bzw. vor dem Militärputsch in Mali stehen. In seltener Eintracht kritisieren derweil alle regionalen Nachbarn diesen Putsch nicht nur, sie wollen ihn auch rückgängig machen und die gewählte Regierung wieder installieren.
Libyen selbst kommt auch nicht zur Ruhe: Stammeskämpfe bringen selbst Monate nach dem Fall Gaddafis Tod und Gewalt mit sich. Italien hat unterdessen einen Griff in den Goldtopf getan und das milliardenschwere Vermögen Gaddafis beschlagnahmt.
In unserer seit Monaten festen Unterrubrik Ägypten macht diese Woche der Verfassungsprozess Schlagzeilen. Er wird von Islamisten geprägt, aber nicht nur wegen der Mehrheitsverhältnisse, sondern auch weil viele andere Parlamentarier schlicht nicht zu den Sitzungen der verfassungsgebenden Versammlung kommen. Ein neues Staatsoberhaupt wird auch noch gesucht: Friseure, Lehrer, Klempner - alle wollen Präsident werden. Das bringen dreißig Jahre Unterdrückung des Volkes in Ägypten mit sich. Das Volk will nun endlich mitmachen.
Weil das Volk nicht mehr mitmachte, haben einem anderen, der unbedingt Präsident bleiben wollte, alle unschönen Tricks am Ende doch nichts geholfen: Abdoulaye Wade hat die Wahl im Senegal deutlich gegen Macky Sall verloren!
Verloren hat Joseph Kony immer noch nicht, aber - "Kony 2012" hin oder her - seit Samstag sind tatsächlich 5.000 von der Afrikanischen Union gestellte Soldaten auf der Suche nach dem Warlord, der sich mit Verstärkung im Dschungel des Sudsudan aufhalten soll.
Dort hat den Menschen ein Kriegsverbrecher wie Kony gerade noch gefehlt. Sie haben mit den Scharmützeln zwischen Sudan und Südsudan ohnehin ihre schwere Last.
Und sonst? Kurz schien der Klimawandel Urlaub von unserer Wahrnehmung zu machen, nun sehen wir ihn wieder am Werk, gerade Afrikanern das Leben schwerer zu machen. In Nigeria klagen viele im Öl versunkene Dörfer mal wieder gegen Shell, das Schuld natürlich abstreitet. Doch im Westen auch Neues und Gutes: Eine Massenimpfung gegen Kinderlähmung in Nigeria.Weiter im Norden, in Tunesien, wird die Sharia wahrscheinlich doch kein Bestandteil der Verfassung und im Osten, in Äthiopien, wird durch Knochenfunde die Vergangenheit mal wieder zur Gegenwart. Im Süden schließlich wird eine Legende für die Zukunft festgehalten: Das digitale Nelson Mandela-Archiv ist online.
Wir wünschen ein schönes Wochenende und eine gute Karwoche! Und sollte es der April-Anfang mit dem Wetter nicht zu gut meinen, denken Sie dran: Auch in tropischen Sonnenparadiesen ist nicht alles eitel Sonnenschein! In Mauritius geht Präsident Anerood Jugnauth zwar baden, aber nicht nur im Meer sondern auch im Machtkampf gegen Premierminister Navinchandra Ramgoolam.
DAS Leseempfehlung(en) der Woche:
In deutschen Medien lesen wir bislang (noch?) nichts davon, aber es gibt Meldungen aus Sambia, die am mühsam erarbeiteten Image des Landes als Hort der Stabilität und langsamer aber sicherer Demokratisierung Zweifel aufkommen lassen. Zuerst wurde die langjährige Regierungspartei des erst kürzlich demokratisch abgewählten Präsidenten Rupiah Banda, nun in der Opposition, wegen angeblich nicht bezahlter Registrierungsgebühren kurzerhand aufgelöst. Über fünzig demokratisch gewählten Parlamentsagbeordneten droht nun der Entzug ihres Mandats. Ein politisches Manöver der neuen Regierung unter Präsident Michael Sata?
Und nun will sich das im Westen Sambias liegende Königreich Barotseland auch noch unabhängig erklären. Das Königreich der Lozi war unter britischer Kolonialherrschaft ein eigenes Protektorat und wurde 1964 zu einem Teil des unabhängigen Sambia. Jetzt droht ein längerer Konflikt. Hoffentlich nur politischer Natur.
Putsch in Mali
- An Machhabern wird erste Kritik laut (taz.de, 25.03.)
Mali nach dem Putsch.
- UNO warnt vor Terrorismus (nzz.ch, 27.03.)
Afrikas Sahelzone als Nährboden für Gewalt.
- Nachbarstaaten drohen mit Sanktionen und Militärinterventionen (derstandard.at, 28.03.)
ECOWAS droht mit Rauswurf Malis aus Bündnis
- Jeder will schimpfen und fluchen (taz.de, 28.03.)
nach dem Putsch in Mali: geteilte Meinungen
Lybien
- Srebrenica-moment (zeit.de, 26.03.)
Jan Eliasson, künftiger UN-Vizechef, über die Schutzverantwortung und militärische Interventionen
- 70 Tote bei Stammeskämpfen (derstandard.at, 29.03.)
Wüstenstadt Sebha
- Dutzende Tote bei Kämpfen in Wüstenstadt Sebha (tagesspiegel.de, 29,03.)
Übergangsregierung entsandte 3000 Soldaten in Krisenregion.
Ägypten
- Ägypten: Islamisten machen fette Beute (derstandard.at, 27.03.)
Parlament Ägyptens mit Problemen
Senegal
- Wade oder "Wade-light" (faz.net, 23.03.)
Vor den Wahlen
Joseph Kony
Sudan/Südsudan
- Afrikas vergessener Krieg (spiegel.de, 24.03.)
Krieg zwischen Südsudan und Sudan in der Provinz Süd-Kordufan
- Luftangriffe und Kämpfe (taz.de, 27.03.)
Südsudan vs. Nordsudan
Und sonst?
- SPD und Grüne kritisieren EU-Beschluss (spiegel.de, 23.03.)
Piratenbeschuss an Land am Horn von Afrika
- Äthopiens Armee rückt gegen Al Shabaab vor (derstandard.at, 24.03.)
Truppen in Stadt im Zentrum verstärkt
- EU will Seeräuber auch im Landesinneren jagen (spiegel.de, 26.03.)
Piraterie vor Somalia
- Hauruck-Aktion gegen Kinderlehmung in Afrika (zeit.de, 26.03.)
Unicef und WHO führen Massenimpfungen durch
- Das Lager der Wanderarbeiter (zeit.de, 26.03.)
Fotostrecke Äthopien
- Wo die DDR in Mosambik weiterlebt (zeit.de, 27.03.)
Mosambikanische Vertragsarbeiter nach der Wende zurückgeschickt
- Islamisten lenken ein: Sharia bleibt draußen (derstandard.at, 27.03.)
Tunesien: Sharia soll nicht in Verfassung verankert werden
- "Ein Leben im Schatten des Rechts" (taz.de, 28.03.)
Politisches Asyl für Homosexuelle
- Africans sow seeds of a green revolution (ftd.de, 28.03.)
Hungersnot hat die Dringlichkeit der Aufgabe, die Farmproduktion zu verändern, erhöt. (Englisch)
- Afrikanische Geschäfte (tagesspiegel.de, 29.03.)
Die Dokumentartheater-Spezialisten von Rimini-Protokoll präsentieren die "Lagos Business Angels"
- Der lange Abstieg zum aufrechten Gang (sueddeutsche.de, 29.03.)
Evolution des Menschen
- Europarat: NATO hat Mitschuld an Bootsdrama (derstandard.at, 29.03.)
Hilfe für Flüchtlinge in Seenot unterlassen
- Retter ohne Regeln (zeit.de, 29.03.)
Kriterien einer Militärintervention
- Islamisten hoffen auf Sieg (taz.de, 30.03.)
Parlamentswahlen in Algerien
- Präsident des Inselstaates tritt zurück (derstandard.at, 30.03.)
Der Präsident des Inselstaates Mauritius, Anerood Jugnauth, hat seinen Rücktritt erklärt. Er sei "nicht einverstanden" mit der Politik von Regierungschef Navinchandra Ramgoolam.
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