
SAFRI Forum: "Bulle? Bär? Elefant! - Afrika hat Konjunktur!"
Was können deutsche Politik und Wirtschaft leisten?
Datum: 24. April 2012, 19:00 Uhr
Ort: "Haus der deutschen Wirtschaft", Berlin
Afrika hat Konjunktur! Dass sich Afrika in den letzten Jahren zum Chancen- und Wachstumskontinent entwickelt hat, ist mittlerweile (endlich) auch in der deutschen Wirtschaft auf breiter Basis angekommen. Entsprechend haben Veranstaltungen, die sich der vielfältigen Potentiale und positiven Entwicklungen afrikanischer Volkswirtschaften annehmen, ebenfalls Hochkonjuktur. Vor einigen Jahren noch wirkte es wie das Geheimtipp-Thema einer spezialisierten Afrooptimisten-Avantgarde, mittlerweile (über)füllt es große Säle. Ein Beleg für dieses aus langem Schlaf erwachte Afrika-Interesse lieferten über 300 Besucher - ein Großteil davon Unternehmensvertreter - beim SAFRI Forum "Bulle? Bär? Elefant! - Afrika hat Konjunktur!" im "Haus der deutschen Wirtschaft" in Berlin. Den Weckruf hatten sie also vernommen. Doch was nun mit der erkannten afrikanischen Konjunktur anfangen? Was können deutsche Politik und Wirtschaft leisten? Wie beitragen? Und natürlich: Wie profitieren?
Die Südliches Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft - SAFRI und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatten in Kooperation mit der Deutschen Afrika Stiftung (DAS), dem Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft (AV) sowie dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geladen und es dürfte nicht nur am zugkräftig besetzten Podium gelegen haben, dass sich eine intensive Diskussion über deutsche Chancen und afrikanische Erwartungen, deutsche Hemmschwellen und afrikanische Hürden entwickelte. Mit dem Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, Bundespräsident a.D. Horst Köhler und dem SAFRI-Vorsitzenden Jürgen E. Schrempp waren unterschiedliche Ansätze des gleichen Grundtenors "Engagiert euch nicht nur für, sondern vor allem in Afrika!" präsentiert - mit der ruandischen Botschafterin I.E. Christine Nkulikiyinka aber auch die Garantie gegen allzu deutsche Nabelschau und dafür, dass die "Partnerschaft auf Augenhöhe" nicht nur als Begriff strapaziert, sondern auch argumentativ gefüllt wurde.
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Erfahrungen aus dem Mittelstand
Zunächst hatten aber weder Amt noch persönliches Engagement, sondern konkrete unternehmerische Erfahrung das Wort: Franz-Peter Falke, Geschäftsführender Gesellschafter der Falke KGaA, die seit 1969 in schlechten wie in guten Zeiten in Südafrika wirtschaftlich tätig ist. Afrikas, in diesem Fall besonders Südafrikas Potentiale liegen offen zu Tage, einfach oder gar billig zu haben, sind sie aber nicht, so die Essenz seines Plädoyers für Innovation, Kreativität und vor allem tiefes kulturelles Verständnis: Falkes Analyse der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Südafrikas ist differenziert, manchem womöglich zu kritisch, mündet aber letztendlich in den überzeugten und überzeugenden Optimismus, dass Investitionen in Afrika nicht nur machbar, sondern auch lohnend sind. (Falkes kompletten Beitrag finden Sie HIER!)
Ernsthafte Teilhabe am Phänomen der afrikanischen Elefanten-Märkte erfordert diffenrenzierte Auseinandersetzung. Weder alte Pauschalskepsis noch unkritische Euphorie werden dem neuen afrikanischen Selbstbewusstsein - Konsequenz und Voraussetzung des Booms zugleich- gerecht. Gewissermaßen "par Exzellenz" steht Christine Nkulikiyinka für dieses Selbstbewusstsein, das in deutschen Investitionen zwar hochwillkommene Qualität, aber nicht mehr alternativlose Notwendigkeit sieht: "Es geht auch ohne! Aber besser mit"... Auch ohne Petra Pinzlers (Moderatorin) China-Nachfrage schwingt da die allgegenwärtige fernöstliche Konkurrenz mit. Als Drohung ist das aber nicht zu verstehen. Es ist eine Einladung zu ernst gemeinter Partnerschaft und beidseitiger Wertschöpfung, nicht zur Ausbeutung und einseitiger Gewinnmitnahme. Werben statt Betteln. Horst Köhler verficht diese afrikanische Argumentationslinie schon lange. Deutsches Know How, deutsche Qualität, deutsche Standards und deutsches Unternehmerethos seien den Afrikanern willkommener denn je, Paternalismus, Überheblichkeit, erhobene Zeigefinger bei geschlossenen Ohren hingegen nicht. Köhler mahnt in Richtung der deutschen Politik und Wirtschaft ebenso wie in die Richtung afrikanischer Eigenverantwortung für die notwendigen Rahmenbedingungen. Vor allem aber ermutigt er.
Eine Frage der Einstellung - und der richtigen Instrumente
Das Geld liegt weder auf der ghanaischen Straße noch einfach so im ruandischen Tagebau. Mit Verantwortung, Mut, langem Atem und Kooperation kann es aber zu beiderseitigem Nutzen gehoben werden. Nur: wie konkret? Das stellt Fragen und Herausforderungen an das Instrumentarium Dirk Niebels, der sehr zum Gefallen der deutschen Wirtschaft die "wirtschaftliche Zusammenarbeit" in seinem Ministeriumstitel betont. Viel sei in den letzten Jahren auf Seiten der Politik geschehen, um Afrikas Konjunktur zu unterstützen und deutsches Engagement darin zu fördern, betont Niebel zu Recht. Ob aber beispielswiese die Instrumentarien der Außenwirtschaftsförderung wirklich passgenau auch auf mittelständische Bedürfnisse zugeschnitten sind oder Afrika-(Wirtschafts-)Politik noch stärker als in der neuen Afrikastrategie der Bundesregierung koordiniert werden müsse, bleibt weiterhin diskussionwürdig. So auch die Defizite europäischer Afrikapolitik, die Niebels (Churchill entlehntes) Credo von den Märkten, die wie Fallschirme am besten funktionierten, wenn sie offen seien, auf vielfältige Weise konterkarieren.
Wo Jürgen E. Schrempp deutsche und europäische Politik noch im Soll sieht, stellt er die koordinierende Rolle von Initiativen wie SAFRI positiv heraus. Interessen und Kompetenzen würden stärker als je zuvor gebündelt. In Afrika sei dies von unschätzbarem Wert für die Steigerung der Produktivität in zahlreichen Sektoren. Regionalspezifisch könne sich die deutsche Wirtschaft vielfältig einbringen - und sie tue es bereits zahlreich und seit langem nachhaltig, wenn auch nicht immer so sichtbar wie andere.
Dass Deutschland eine andere Agenda als China verfolgt, gerade deswegen als Partner geschätzt wird - in Deutschland wie in Afrika ist diese Aussage Schrempps die geteilte Erkenntnis einer Debatte, die aber hierzulande teilweise noch erkennbar den Schlaf in den Augen hat. Muntermacher wie das SAFRI Forum werden weiterhin gebraucht. Wie aufgeweckt deutsche Politik und Wirtschaft wirklich auf Afrikas Konjunktur reagieren, wird sich vor allem daran messen lassen, ob deutsche unternehmerische Tätigkeit in Afrika spürbar und langfristig zunimmt.
Mehr: Der komplette Beitrag von Franz-Peter Falke, Geschäftführender Gesellschafter der Falke KGaA zum DOWNLOAD