Juliana Rotich erhält den Deutschen Afrika-Preis 2019

Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte am Abend des 23. Oktober den Deutschen Afrika-Preis 2019 an die Pionierin der digitalen Revolution. „Sie haben herausragendes gesellschaftliches Gespür und unternehmerisches Können gezeigt, gerade mit Blick auf den digitalen Fortschritt in Afrika“ betonte die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der feierlichen Verleihung vor über 300 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Allianz Forum am Brandenburger Tor. Bei der Zeremonie wurde die 42-jährige Kenianerin für ihr herausragendes sozialunternehmerisches Engagement durch die Deutsche Afrika Stiftung geehrt.


Als Mitgründerin der Open-Source-Plattform Ushahidi hat Rotich den weltweiten Informationsfluss revolutioniert. Mit einer einzigartigen Mischung aus sozialem Aktivismus, Bürgerjournalismus, und Geoinformation ermöglicht Ushahidi seinen Nutzern Ereignisse hochzuladen und geographisch sowie zeitlich zu verorten. Inzwischen wird Ushahidi in über 160 Ländern zur Krisenreaktion und Einforderung von öffentlicher Rechenschaftspflicht benutzt und erreicht somit Millionen von Menschen.


Rotich ist darüber hinaus Mitgründerin des Technologieunternehmens BRCK, das seit Februar 2019 der größte öffentliche WLAN-Anbieter in Subsahara-Afrika ist. BRCK entwickelte ein batteriebetriebenes Multiverbindungsgerät, das den reibungslosen Datenfluss in Krisengebieten sicherstellt. So kann über verschiedene Kanäle ein Internetzugang hergestellt werden, der auch ohne Strom bis zu acht Stunden verfügbar ist. Dieser wird mittlerweile in 150 Ländern verwendet und kann in 48 Sprachen genutzt werden.


Der soziale Nutzen steht für Rotich stets im Mittelpunkt technologischer Innovation. Die weltweit hoch geachtete IT-Expertin zeigt auf beispielhafte Weise, wie technologische Innovation zur Entwicklung des afrikanischen Kontinents beitragen kann. Damit verdeutlicht sie, dass digitale Produkte „made in Africa“ auf dem Weltmarkt bestehen und diesen erobern können. Sie ist somit das Gesicht eines jungen, erfolgreichen Afrikas, das die Welt des 21. Jahrhunderts aktiv mitgestaltet.

 

 

Den Begrüßungsreden durch Dr. Coenraad Vrolijk, Geschäftsführer für Afrika der Allianz, und Dr. Uschi Eid, Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung (Rede hier), folgte der von der Deutschen Welle produzierte Porträtfilm über die Arbeit und Visionen von Juliana Rotich . Die Laudatio hielt Claus Stäcker,  (Rede hier), bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel die Preisstatue überreichen konnte (Rede hier). Beide betonten das außerordentliche Engagement, welches zu technologischen Innovationen und der Entwicklung des Kontinents beiträgt und dabei stets den gesellschaftlichen Nutzen in den Mittelpunkt stellt. Im anschließenden Gespräch mit der ZDF heute-Nachrichten Sprecherin Kay-Sölve Richter sprach Rotich über ihre Projekte, Herausforderungen  sowie über die Bedeutung der Digitalisierung für Kenia und andere afrikanische Länder. Musikalisch begleitet wurde der gelungene Abend von dem kenianischen Künstler Eric Wainaina und seiner Band.

Hintergrund zu Ushahidi

Die Software Ushahidi ermöglicht durch die Verwendung von Crowdsourcing eine einzigartige Mischung aus sozialem Aktivismus und öffentlicher Rechenschaftspflicht. Als Open-Source-Software eröffnet sie jedem  Menschen  die Möglichkeit  Ereignisse und Vergehen, wie Wahlbetrug, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen, anderen in Echtzeit auf einer Karte online zugänglich zu machen. Entwickelt wurde die Software ad hoc bei den Wahlen 2008 in Kenia, als mehrere Ausschreitungen und Gewalttaten verzeichnet wurden. Augenzeugen konnten SMS und E-Mails an Ushahidi (zu deutsch „Zeugenbericht“) schicken, welche diese auf eine auf einer Google-Karte ablegten und sich somit eine visuelle Aufzeichnung der Geschehnisse ergab. Diese Methode der Darstellung nennt sich auch „crisis mapping“. Eigentlich als einmaliges Projekt geplant, wurde die weiterentwickelte Software bereits in mehr als 160 Ländern genutzt. Anwendung fand sie beispielsweise bei der Obama Kampagne zur US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2012, bei dem Erdbeben 2015 in Nepal zur besseren Koordination der Hilfsmittel und zur Dokumentation von sexueller Belästigung von Frauen.


Das Ziel der Plattform ist es, den Benutzern Interaktionen und Kommunikation zu ermöglichen sowie Daten zu teilen. Diese auch technisch einfach zu bedienende Software soll Hürden für zivilgesellschaftliches Engagement nehmen und Aktivismus vereinfachen. So kann Ushahidi zu mehr Transparenz, Einforderung von Rechten und öffentlicher Diskussion führen.


Das gemeinnützige Technologieunternehmen sitzt in Nairobi und hat Mitarbeiter in neun Ländern. Gegründet wurde es von Juliana Rotich, Erik Hersman, Ory Okolloh und David Kobia. Durch die einzigartige Verknüpfung von sozialem Aktivismus, Bürgerjournalismus und Geoinformationen ist Ushahidi zu einem der führenden Technologieunternehmen Afrikas geworden. Juliana Rotich, die ebenfalls BRCK mitbegründet hat, ist weiterhin im Vorstand von Ushahidi und wird als IT-Expertin weltweit angefragt.

Hintergrund zu BRCK

BRCK ist ein kenianisches Technologieunternehmen, das seit Februar 2019 der größte öffentliche WLAN-Anbieter in Subsahara-Afrika ist. Das Unternehmen wurde 2013 von Mitbegründern von Ushahidi – darunter Juliana Rotich – ins Leben gerufen. BRCK entwickelte ein batteriebetriebenes Multiverbindungsgerät, das über verschiedene Kanäle einen Internetzugang herstellt, der auch ohne Strom acht Stunden verfügbar ist. So kann auch in Krisenregionen oder Gebieten mit schlechter Infrastruktur ein Internetzugang sichergestellt werden. Die Weiterentwicklung SupaBRCK, eine Kombination aus Server, Modem und Speicher, ermöglicht sogar den Betrieb mit Sonnenenergie. 


Das Unternehmen nutzt seine Entwicklung, um einer möglichst breiten Masse den Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen. Durch BRCK sind viele Busse, Haltestellen und Kioske in Kenia mit einem kostenlosen, über Werbung finanzierten, Internetzugang ausgestattet. Mit etwa 2.000 öffentlichen Hotspots und einer halben Million Nutzern pro Monat eröffnet BRCK eine neue Dimension der Verbindung. Damit aber vor allem Kinder und Jugendliche von den Bildungsangeboten im Internet profitieren, gibt es auch den Ableger BRCK Education. Hier wurde beispielsweise ein kindgerechtes Tablet entwickelt, das zusammen mit in SupaBRCK speicherbaren Lehrinhalten Schulzimmer in digitale Klassenräume verwandeln.


Die Mission von BRCK ist es, sich entwicklende Länder, sogenannte Grenzmärkte, mit einem Internetzugang zu versorgen. Dahinter steht die Überzeugung, dass die nächsten drei Milliarden Internetnutzer aus Grenzmärkten kommen werden. 


Das Multiverbindungsgerät wird mittlerweile in 150 Ländern verwendet und kann in 48 Sprachen genutzt werden.

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