Nachruf Gero Schmitz
Die Deutsche Afrika Stiftung trauert um ihren verstorbenen früheren Geschäftsführer Gero Schmitz

Als der heutige Ehrenvorsitzende der Deutschen Afrika Stiftung, Prof. Dr. Karl-Heinz Hornhues, nach sechs Jahren Bundestagszugehörigkeit die Idee hatte, eine Organisation pro Afrika zu gründen, die dann den Namen Deutsche Afrika Stiftung e.V. erhielt, war es sein Mitarbeiter im Bundestagsbüro, Gero Schmitz, der zum Mann der Stunde wurde und sich um den Aufbau des Vereins verdient machte.

Dazu gehörte die Betreuung der durch den Vereinsvorsitzenden angeworbenen Mitglieder, zunächst vornehmlich aus dem Kreis der CDU/CSU, die mühsame Kommunikation mit dem Zuwendungsgeber Auswärtiges Amt und später mit den Prüfbehörden. Alle diese Klippen umschiffte der Geschäftsführer meist elegant; manchmal lagen die behördlichen Klippen jedoch allzu knapp unter der Wasseroberfläche.

Auch die Organisation von Vorträgen und Veranstaltungen gelang Schmitz sehr gut. Weil das Apartheidregime in Südafrika noch fest im Sattel saß, interessierte der Nachbarkontinent Afrika Ende der 70er Jahre viele Menschen in Deutschland. Als damals noch junger Mann erreichte es Gero Schmitz, neue und außergewöhnliche Akzente zu setzen. Und dies zu einer Zeit, wo es um die Vereinsfinanzen zumeist schlecht aussah.

Von Anfang an bereitete die Finanzierung des Magazins „Afrika-Post“ immer wieder Kopfschmerzen. Druckanzeigen für die AP zu finden war eine Sisyphusarbeit – und nicht immer vom Erfolg gekrönt. Während die Redaktionsarbeit von Dr. Sören Roos fast immer reibungslos verlief, bedurfte es oft erheblicher zusätzlicher Bemühungen von Gero Schmitz, um die Finanzen zu sichern. Dem Geschäftsführer gelang es durch seine persönlichen Netzwerke, Sponsoren für Veranstaltungen und Publikationen zu finden und sich nach und nach aus der Klammer der Behörden zu befreien.

Dank der kooperativen Zusammenarbeit von DAS-Vorstand und dem Geschäftsführer konsolidierte sich die Stiftung und wurde in Bonn zu einer festen Größe. Gero Schmitz erarbeitete sich ein belastbares Netz von engen Kontakten mit vielen afrikanischen Botschaften, auf das er sich gut verlassen konnte. Auch verwuchs er immer enger mit dem Thema Afrika, für einen eigentlich juraorientierten Bundestagsmitarbeiter keinesfalls selbstverständlich!

Auch von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung wurde der noch junge Verein allmählich als Partner akzeptiert. Hilfreich war Gero Schmitz auch bei der Akquirierung von Mitgliedern, die nicht das CDU-Parteibuch hielten. So wurde aus der immer wieder als „CDU-Afrika-Stiftung“ kritisierten Einrichtung langsam eine auch von Wirtschaft und Gesellschaft anerkannte Institution. Es entwickelten sich enge Bande mit DEG, KfW, Großbetrieben im Ruhrgebiet und dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft (AV) in Hamburg. Der AV trug dann über Jahre zum finanziellen Überleben der Afrikapost bei. Aber auch zu Transparency International und Amnesty International knüpfte Gero Schmitz erste Kontakte.

Mit der weltpolitischen Wende Anfang der 90er Jahre und den ersten freien Wahlen in Südafrika konnte die Hornhues’sche Idee eines „Deutschen Afrika-Preises“ (DAP) realisiert werden. Aber auch hier drohte ein Scheitern aufgrund fehlender Finanzquellen. So musste sich Gero Schmitz erneut einerseits gegen die Bedenken des AA als Zuwendungsgeber durchsetzen und andererseits Sponsoren für den DAP finden, ein schwieriger Spagat.

Privat war es für Gero Schmitz gerade in dieser Zeit nicht einfach. Sein Vater war lange Zeit ein Pflegefall, der aber zeitlebens sehr hohe Ansprüche an seinen Sohn stellte und mit dem Abbruch des Jurastudiums und der Arbeit für einen MdB bzw. einen Verein wohl nicht einverstanden war. Erst mit dem Tod des Vaters konnte der im August 1948 in Barkhausen bei Minden geborene Gero Schmitz dieses Kapitel beenden. In dieser Zeit waren ihm seine Bundesbrüder des Corps Saxonia Jena et Bonn immer wieder Stütze und Hilfe. Diese enge Bindung hielt bis zu seinem Lebensende am 9. November 2020.
In den 90er Jahren wurde der Major der Reserve mehrmals als Militärattaché in Vertretung in afrikanischen Ländern eingesetzt. Das Auswärtige Amt lud ihn als Mitglied zu staatlichen Delegationsreisen nach Afrika ein, wo er sein Netzwerk erweitern konnte.

Gesundheitlich und privat lief es dann für ihn schlechter. Rückenprobleme und eine Zuckererkrankung verdüsterten den Alltag ebenso wie die Pleite eines Bauträgers.

Beruflich jedoch ging es weiter gut voran: Der Afrikapreis war zur festen Größe in Bonn geworden, die Teilnahme an EU-Förderprojekten für Südafrika sicherte Zusatzeinnahmen für die Stiftung und mit Goldman Sachs gewann Gero Schmitz einen solventen Sponsor. Das für damalige Verhältnisse moderne Büro der Stiftung erhielt PCs und war mit IBM-Kugelkopfschreibmaschinen und einem Faxgerät ausgerüstet – für einige DAS-Mitglieder schon fast zu viel „moderner Schnickschnack“. Mit der Rheinbacher Druckerei Moser hatte Gero Schmitz zudem einen kompetenten Partner für die Afrika-Post gefunden.

Im Zusammenhang mit dem Umzug von Bundestag und Deutscher Afrika Stiftung kam es schließlich zur Trennung der Stiftung von ihrem Geschäftsführer. Schmitz verblieb in Bonn, die Stiftung zog nach Berlin.

Auch wenn von den heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Afrika Stiftung nur noch wenige Gero Schmitz kennen, so gebührt dem ehemaligen Geschäftsführer Wertschätzung und Anerkennung für die geleistete Aufbauarbeit. Unermüdlich hat Schmitz den Kampf gegen schwierige bürokratische Hürden gekämpft und neue, kreative Ideen mit unermüdlichen Willen durchgesetzt.

Zu den Studentenliedern, die Gero Schmitz als Corpsstudent besonders schätze, gehörte „Gaudeamus Igitur“ von Christian Wilhelm Kindleben. Diese folgenden Strophen waren für ihn immer von besonderer Bedeutung:

Vita nostra brevis est,
Brevi finietur,
Venit mors velociter,
Rapit nos atrociter,
Nemini parcetur.

 

Vivat et respublica,
Et qui illam regit,
Vivat nostra civitas,
Mecaenatum caritas,
Quae nos hic protegit

18.2.2021, Jürgen Langen
Wissensarchiv
Filtern