Nuclear Energy Innovation Summit for Africa in Ruanda
Am Donnerstag endete die zweite Ausgabe des Nuclear Energy Innovation Summit for Africa (NEISA) in der ruandischen Hauptstadt Kigali. Auf Einladung des ruandischen Präsidenten, Paul Kagame, versammelten sich bei dem viertägigen Event zahlreiche führende Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen sowie aus dem Energie- und Wirtschaftssektor unter dem Motto “Powering Africa’s Future: Turning Nuclear Energy Ambition into Investable Reality” im Kigali Convention Centre. Als zentrale strategische Partner des Gipfels nahmen die Präsidentin Tansanias, die Staatschefs Togos und Nigers sowie die Vorsitzenden führender internationaler und nationaler Atomenergiebehörden teil. Ziel des Gipfels war es, Lösungen für finanzielle und strukturelle Hürden beim Zugang zu Nuklearenergie für afrikanische Länder zu identifizieren und die regionale Zusammenarbeit in diesem Bereich zu stärken.
Während des Gipfeltreffens unterzeichnete Ruanda mehrere bedeutsame Abkommen für künftige Vorhaben im Bereich der Nuklearenergie. Am Dienstag unterzeichneten die Staatssekretärin im ruandischen Außenministerium, Dr. Usta Kaitesi, und die stellvertretende kommissarische Staatssekretärin des Bureau of Arms and Nonproliferation im US-Außenministerium, Renee Sonderman, eine Absichtserklärung über die strategische Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Nutzung der Kernenergie. Bei derselben Gelegenheit unterzeichneten das US-Unternehmen Holtec International und die ruandische Atomenergiebehörde, Rwanda Atomic Energy Board (RAEB), ein umfassendes Entwicklungsabkommen, um eine Machbarkeitsstudie durchzuführen und den Einsatz von Holtecs SMR-300-Reaktor zu prüfen. Small Modular Reactors (SMRs) gelten als moderne Kernenergiesysteme, die im Vergleich zu klassischen Atomkraftwerken zwar weniger Strom erzeugen, dafür aber flexibler skalierbar sind und geringere Anfangsinvestitionen ermöglichen.
Parallel dazu schloss Ruanda ein weiteres Abkommen mit der International Atomic Energy Agency (IAEA) ab, um die Zusammenarbeit bei der Integration der Kernenergie, einschließlich von SMR-Reaktoren, in den Energiemix des Landes zu verstärken. Das von Ruandas Infrastrukturminister Jimmy Gasore und dem Generaldirektor der IAEA, Rafael Mariano Grossi, unterzeichnete Abkommen zielt darauf ab, Ruanda bei den Vorbereitungen für den Einsatz der Kernenergie in Schlüsselbereichen wie Infrastrukturentwicklung, Energieplanung, Ausbildung von Fachkräften, Finanzierung und Kapazitätsaufbau zu unterstützen. Grossi überreichte Präsident Kagame zudem den offiziellen Bericht zur Integrated Nuclear Infrastructure Review, die die IAEA im März in Ruanda durchgeführt hatte. Darin bewertete die IAEA die Vorbereitungen Ruandas auf die Umsetzung seines Kernenergieprogramms positiv. Dadurch tritt Ruanda offiziell in Phase zwei seines Kernenergieprogramms ein, in der der Aufbau zentraler Institutionen, der Ausbau fachlicher Kapazitäten sowie die Schaffung der nötigen rechtlichen und regulatorischen Grundlagen für die Entwicklung der Kernenergie im Fokus stehen.
Außerdem unterzeichneten Ruandas Infrastrukturminister Gasore und der tansanische Energieminister Deogratius John Ndejembi im Beisein von Präsident Kagame und Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan eine Absichtserklärung zur Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit im Energiesektor. Die Vereinbarung umfasst unter anderem den Ausbau der Energieinfrastruktur, erneuerbare Energien, institutionellen Kapazitätsaufbau sowie grenzüberschreitende Energiekooperationen. Gasore betonte dabei die zentrale Bedeutung nachhaltiger Energie für wirtschaftliches Wachstum, Industrialisierung und gesellschaftliche Entwicklung in der Region.
Der Gipfel unterstreicht die wachsende Bedeutung regionaler Zusammenarbeit und koordinierter Investitionen, um Afrikas steigenden Energiebedarf zu decken und die industrielle Entwicklung langfristig zu stärken. Das große Interesse afrikanischer Staaten an Nuklearenergie zeigt sich laut IAEA unter anderem daran, dass die Hälfte aller neuen Partnerstaaten der internationalen Behörde aus Afrika kommen und 13 Staaten aktiv Kernenergieprogramme verfolgen. Gleichzeitig wächst laut Kagame der internationale politische Rückenwind für Kernenergie: Auf der 28. UN-Klimakonferenz forderten mehrere Regierungen, Nuklearprojekte stärker in internationale Finanzierungsportfolios einzubinden; im vergangenen Jahr hob die Weltbank ihr bisheriges Finanzierungsverbot für Kernkraftprojekte auf. Ruanda verfolgt vor diesem Hintergrund ambitionierte Ziele: Der erste Kernreaktor des Landes soll Anfang der 2030er-Jahre in Betrieb gehen, bis 2050 sollen 60 % des Energiemixes aus Kernenergie stammen. Bislang verfügt mit Südafrika nur ein afrikanisches Land über ein aktives Kernkraftwerk; in Ägypten errichtet der russische Staatskonzern Rosatom derzeit ein weiteres.
Opposition in Cabo Verde gewinnt Parlamentswahlen
In Cabo Verde hat die größte Oppositionspartei des Landes, die Partido Africano da Independência de Cabo Verde (PAICV), nach vorläufigen Ergebnissen aus 99 % der Wahllokale die Parlamentswahlen vom Sonntag mit 46,8 % der Stimmen gewonnen. Der Parteichef Francisco Carvalho, derzeit Bürgermeister der Hauptstadt Praia, wird damit voraussichtlich vom Parlament zum neuen Premierminister gewählt werden und den bisherigen Regierungschef Ulisses Correia e Silva ablösen. Dessen Partei, Movimento para a Democracia (MPD) erhielt 43,7 % der Stimmen, während die União Cabo-verdiana Independente e Democrática (UCID) als drittstärkste Kraft 5,1 % der Stimmen auf sich vereinen konnte. Mit der Partido do Trabalho e da Solidariedade (PTS) und der Partido Popular (PP) traten zwei weitere Parteien bei der Wahl an, die jedoch keine Sitze im Parlament gewinnen konnten. Unklar blieb zunächst, ob die PAICV auch die absolute Mehrheit von 37 Sitzen in dem 72 Sitze umfassenden Parlament erringen würde. Carvalho verkündete dies zwar bereits am Sonntagabend, die vorläufigen Ergebnisse auf der Website der Wahlkommission zeigten am Donnerstag jedoch noch 36 Sitze für die PAICV und 32 Sitze für die MPD an. Expertinnen und Experten halten eine absolute Mehrheit dennoch für wahrscheinlich, da die noch ausstehenden Diaspora-Stimmen laut Umfragen eher der PAICV zugutekommen dürften.
Correia e Silva, der die Regierungsgeschäfte des westafrikanischen Inselstaats über die vergangenen zehn Jahre geleitet hatte, gratulierte Carvalho derweil bereits am Sonntag zum Wahlsieg und trat noch vor Abschluss der Auszählung als Vorsitzender der MPD zurück. In einer Presseansprache erklärte er, seine Partei werde im Parlament eine „verantwortungsvolle Opposition“ bilden. Ebenfalls am Sonntag erklärte Carvalho in seiner Siegesrede vor dem PAICV-Hauptsitz in Praia, die Bevölkerung habe eine „klare Botschaft“ des Wandels gesendet und kündigte den Beginn eines „neuen Cabo Verde“ an. Neben der Umsetzung seiner Wahlversprechen betonte Carvalho die Bereitschaft der PAICV, mit allen politischen Parteien zusammenzuarbeiten, und hob die „außergewöhnlichen“ Beziehungen zu Portugal hervor. Kritisch äußerte sich Carvalho gegenüber der MPD, der er vorwarf, Wählerstimmen mithilfe von Lebensmittelprogrammen beeinflusst zu haben. So soll die MPD Lebensmittelpakete im Wert von je 200.000 Escudos (ca. 1.800 Euro) unter Wahlberechtigten verteilt haben. Carvalho beschuldigte die Nationale Wahlkommission und die Generalstaatsanwaltschaft diesbezüglich der Untätigkeit.
Cabo Verde gilt als stabile Demokratie; im Index von Freedom House erreicht das Land 2026 erneut einen hohen Wert von 92 von 100 Punkten. Die politische Landschaft zeichnet sich seit Einführung des Mehrparteiensystems 1991 durch verschiedene Regierungswechsel zwischen den beiden dominierenden Parteien MPD und PAICV aus. Die Wahlbeteiligung sank jedoch auf ein Rekordtief von 46,5 %, nach 57,4 % im Jahr 2021 – für manche ein Zeichen wachsender Parteienverdrossenheit. Das Land steht vor erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, darunter hohe Lebenshaltungskosten, Jugendarbeitslosigkeit und strukturelle Probleme im Transport- und Tourismussektor, von dem Cabo Verde stark abhängig ist. Die PAICV kündigte im Wahlkampf unter anderem kostenlosen Zugang zu öffentlichen Universitäten und zur Gesundheitsversorgung, Inlandsschifffahrten für 500 Escudos (4,53 Euro) und Flugreisen für 5.000 Escudos (45,35 Euro) sowie Maßnahmen gegen Korruption und für den sozialen Wohnungsbau an. Auch die MPD versprach Reformen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik, darunter höhere Löhne und Verbesserungen im Gesundheitssystem. Während einige Beobachterinnen und Beobachter den Wahlsieg der PAICV als politischen Wandel werten, bezweifeln andere, dass es zu grundlegenden politischen Veränderungen kommen wird, da die beiden großen Parteien sich inhaltlich nicht stark unterscheiden würden. Im November finden in Cabo Verde zudem die Präsidentschaftswahlen statt. Amtsinhaber José Maria Neves von der PAICV strebt eine zweite Amtszeit an.
Und sonst?
In Casablanca fand von Samstag bis Dienstag die neunte Ausgabe der Cosmetista Expo North & West Africa statt. Die Kosmetikmesse wird seit 2016 jährlich in Marokko veranstaltet und gilt als eines der wichtigsten Branchentreffen für Kosmetik, Beauty und Wellness in Nord- und Westafrika. Insgesamt präsentierten 143 Aussteller aus verschiedenen Teilen der Welt, darunter aus Ägypten, Brasilien, China, Frankreich, Indien, Spanien, Südkorea und der Türkei, über 700 Markenprodukte. Die mehr als 18.000 Besucherinnen und Besucher konnten an Vorträgen und Präsentationen teilnehmen, während die Messe Fachleuten zugleich eine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung bot. Die Cosmetista Expo gibt zudem Einblicke in aktuelle und künftige Branchentrends: So gewinnen sanftere und natürliche Produkte zunehmend an Bedeutung, während gleichzeitig neue Technologien verstärkt zum Einsatz kommen. Das marokkanische Unternehmen Specta stellte etwa mit DermaView eine KI-gestützte Anwendung zur Analyse des Hautbilds vor. Der libanesische Permanent-Make-up-Artist Faisal Harkous präsentierte zudem Microblading als Technik zur Wiederherstellung von Augenbrauen nach einer Chemotherapie.