USA bestätigen Entsendung kleiner Militärtruppe nach Nigeria
Am Dienstag bestätigte US-General Dagvin Anderson, Vorgesetzter des United States Africa Command (AFRICOM), dass die USA eine kleine Militärtruppe nach Nigeria entsendet haben. Die Entsendung folge auf Gespräche, die Ende vergangenen Jahres zwischen ihm und Nigerias Präsident Bola Tinubu stattgefunden hatten und in denen beschlossen wurde, gemeinsam verstärkt gegen terroristische Bedrohungen vorzugehen. Die Verkündung stellt die erste offizielle Bestätigung einer US-Militärpräsenz in Nigeria seit dem US-Luftangriff am ersten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres dar.
General Anderson führte des Weiteren aus, die US-Truppe sei auf Bitten Nigerias entsandt worden und solle die nigerianischen Sicherheitskräfte gezielt bei der Bekämpfung terroristischer Gruppen unterstützen. Nigeria sei ein bereitwilliger Partner, der von den Fähigkeiten und Erfahrungen der USA profitiere. Details zu Umfang, Zusammensetzung und Art der Mission nannte Anderson jedoch nicht. Auch von Seiten der nigerianischen Regierung liegen bislang nur begrenzte Informationen vor. Inzwischen sah sich Verteidigungsminister Christopher Musa angesichts zahlreicher Spekulationen und Kritik gezwungen zu spezifizieren, dass es sich bei der Entsendung nicht um Kampftruppen, sondern um ein Beratungsteam handele, das nachrichtendienstliche Unterstützung und Ausbildung leiste. Zuvor hatte bereits ein ehemaliger US-Beamter gemutmaßt, dass die amerikanische Spezialeinheit sich vor allem auf die Unterstützung der nigerianischen Regierung bei der Informationsbeschaffung sowie bei gezielten Operationen gegen terroristische Gruppen konzentriere.
Der aktuelle Einsatz reiht sich in eine Serie früherer Maßnahmen ein, die eine Neudefinition der nigerianisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen sowie ein verstärktes Engagement der USA in der Terrorismusbekämpfung in Westafrika andeuten. So sollen die Vereinigten Staaten bereits seit mindestens Ende November 2025 Überwachungsflüge über Nigeria aus dem benachbarten Ghana durchgeführt haben, um potenzielle terroristische Bedrohungen zu identifizieren. Ende Dezember hatte US-Präsident Donald Trump einen Luftangriff im nordwestnigerianischen Bundesstaat Sokoto angeordnet, der sich gegen die bewaffnete Gruppe der Lakurawa, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen soll, richtete. Laut AFRICOM erfolgte der Angriff in Abstimmung mit der nigerianischen Regierung und den lokalen Behörden. Es wurden mehrere Kämpfer der Lakurawa getötet.
Hintergrund der Maßnahmen ist der zunehmende Druck Washingtons auf Abuja, entschiedener gegen islamistische Milizen vorzugehen. Im Oktober 2025 hatte Trump erklärt, Christen in Nordwest-Nigeria seien einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt. Er drohte mit einer militärischen Intervention, sollte die Gewalt gegen Christen nicht gestoppt werden. Die nigerianische Regierung wies die Vorwürfe einer systematischen Christenverfolgung oder gar eines Genozids an Christen entschieden zurück. Die Sicherheitssituation in Nigeria ist komplex. Islamistische Gruppierungen wie Boko Haram und Islamic State West Africa Province (ISWAP) terrorisieren unterschiedliche Regionen seit teils zwei Jahrzehnten. Dabei werden sowohl Christen als auch Muslime angegriffen. Gerade erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind in dem zentralwestlich gelegenen Bundesstaat Kwara mindestens 170 Menschen eines muslimischen Dorfes von Dschihadisten getötet worden, da sie sich weigerten, der radikalen Doktrin zu folgen. Präsident Tinubu teilte am Donnerstag mit, ein Bataillon in die Region zu entsenden. AFRICOMs Unterstützung soll sich derweil auf Sokoto und den Nordosten Nigerias konzentrieren.
Während einige Beobachterinnen und Beobachter die Mission als Ausdruck der Entschlossenheit der USA werten, ihre militärische Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen, warnen andere, dass eine zu starke Federführung Washingtons im militärischen Bereich antiamerikanische Stimmungen im Land und in der Region verstärken könne.
Tschads Mahamat Déby zu Besuch bei Frankreichs Macron
Ende vergangener Woche empfing der französische Präsident Emmanuel Macron seinen tschadischen Amtskollegen Mahamat Idriss Déby Itno im Élysée-Palast in Paris, um die angespannten bilateralen Beziehungen wiederzubeleben. Macron und Mahamat Déby vereinbarten eine „wiederbelebte Partnerschaft“, basierend auf gegenseitigem Respekt, Souveränität und gemeinsamen Interessen. Dabei streben beide Staaten insbesondere im wirtschaftlichen Bereich eine vertiefte Kooperation an, vor allem in den Bereichen Energie, Digitalisierung, Landwirtschaft, Viehzucht, Bildung und Kultur. Damit liege der Schwerpunkt der Zusammenarbeit nicht mehr wie in der Vergangenheit im militärischen und Sicherheitsbereich, sondern auf Investitionen und kulturellem Austausch.
Das Gespräch gilt als Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen. Diese hatten sich im November 2024 rapide verschlechtert, nachdem der Tschad seine jahrzehntelange militärische Kooperation mit Frankreich aufgekündigt hatte. Die Entscheidung begründete der Tschad als Ausdruck seiner Souveränität und der Ablehnung eines als veraltet angesehenen Abkommens. Zum 31. Januar 2025 mussten die letzten französischen Soldatinnen und Soldaten den Tschad verlassen. Auch auf Macrons Äußerung zur „Undankbarkeit“ Afrikas gegenüber dem französischen Militär reagierte der Tschad scharf. Zusätzlich wurden die Beziehungen durch eine gerichtliche Untersuchung wegen mutmaßlichen finanziellen Fehlverhaltens von Mahamat Déby in Paris belastet, was der tschadische Präsident als Einmischung in innere Angelegenheiten kritisierte. In der Folge baute Mahamat Déby Kontakte zum gesamten politischen Spektrum Frankreichs aus. Im März 2025 empfing er die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen, deren Reise als Versuch galt, vom schwindenden Einfluss der französischen Regierung Frankreichs zu profitieren und ihre eigene internationale Stellung zu stärken.
Ebenfalls hat N’Djamena seine Beziehungen zu anderen Staaten intensiviert, insbesondere zu Russland, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Belarus. Mit Belarus einigte sich der Tschad erst im Januar auf eine militärische Kooperation. Dabei betonte Mahamat Déby stets, dass sein Land nicht vorhabe, die alte Rolle Frankreichs einer neuen Macht zuzuteilen, sondern gleichberechtigte Partnerschaften mit einer Vielzahl von Staaten eingehen wolle, ohne sich politisch vereinnahmen zu lassen. Angebote der Allianz der Sahelstaaten (AES), dem Staatenbündnis beizutreten, soll Mahamat Déby beispielsweise abgelehnt haben.
Pragmatische Überlegungen sehen einige Analysen daher ebenso als Grund für die Wiederbelebung der Beziehungen zu Frankreich wie innen- und sicherheitspolitische Gründe, die sich vor allem auch aus dem Krieg im benachbarten Sudan ergeben. Vor zwei Wochen kamen bei Zusammenstößen entlang der Grenze zwischen Tschad und Sudan sieben tschadische Soldaten durch die sudanesische paramilitärische Rapid Support Forces (RSF) ums Leben – bereits der zweite Vorfall dieser Art seit Dezember, wenngleich die RSF sich anschließend offiziell entschuldigte. Dem Tschad wird unter anderem auch von Frankreich vorgeworfen, die RSF logistisch zu unterstützen, etwa beim Transport von Waffen aus den VAE.
Der Krieg im Sudan war derweil auch Thema beim jetzigen Gespräch zwischen Mahamat Déby und Macron. Die beiden Präsidenten forderten die Konfliktparteien im Sudan auf, die von der Quad-Initiative – bestehend aus Ägypten, Saudi-Arabien, den USA und den VAE – vorgeschlagene humanitäre Waffenruhe zu respektieren und riefen zu einer politischen Lösung auf, um die Einheit und territoriale Integrität zu wahren. Der Tschad, der eine rund 1300 km lange Grenze mit dem Sudan teilt, beherbergt rund eine Million sudanesische Geflüchtete. Der Zustrom belastet die Ressourcen des zentralafrikanischen Landes stark, die laut der Regierung notwendige humanitäre Hilfe ist nur zu 17 % finanziert.
Inwiefern die erneuerte Zusammenarbeit zwischen Paris und N’Djamena diesen Bereich umfasst, blieb zunächst ebenso unklar wie der Umfang der Kooperation insgesamt. Es wurden jedenfalls keine finanziellen Zusagen bekanntgegeben. Mahamat Débys Besuch signalisiert damit zwar eine vorsichtige Normalisierung der französisch-tschadischen Beziehungen, deren konkrete Ausgestaltung jedoch abzuwarten bleibt.
Sondermeldung
In Berlin ist eine von dem zivilgesellschaftlichen Verein Afrika-Forum e. V. initiierte Gedenktafel zur Erinnerung an die Berliner Konferenz 1884/85, auch bekannt als Berliner Westafrika- bzw. Kongo-Konferenz, offenbar entwendet worden. Die mehrsprachige Tafel, die seit 2005 am historischen Ort Wilhelmstraße 92 über die Konferenz, die auf Einladung von Reichskanzler Otto von Bismarck abgehalten wurde, aufklärt sowie an koloniale Gewalt und historische Verantwortung erinnert, war bei einer letzten Kontrolle im Dezember 2025 noch vorhanden, wurde Ende vergangener Woche jedoch als vollständig entfernt gemeldet. Eine Strafanzeige wegen Diebstahls und hilfsweise Sachbeschädigung liegt bei der Polizei Berlin vor. Die Gedenktafel war ein Lern- und Begegnungsort für Schulklassen, Bürgerinnen und Bürger sowie internationale Delegationen. Ihr Verschwinden hinterlässt nicht nur eine Lücke im Stadtbild, sondern auch im öffentlichen Gedächtnis.
Und sonst?
Der nigerianische Musiker Fela Kuti wurde am vergangenen Samstag posthum mit dem Grammy Lifetime Achievement Award für sein musikalisches Lebenswerk ausgezeichnet. Die Recording Academy hatte die Ehrung bereits im Dezember bekannt gegeben, überreicht wurde die Auszeichnung nun bei der Grammys Special Merit-Zeremonie in Los Angeles. Vier seiner Kinder nahmen den Preis stellvertretend für den nigerianischen Künstler entgegen, der 1997 im Alter von 58 Jahren gestorben war. Kuti ist der erste afrikanische Musiker, der den Preis, der seit 1963 im Rahmen der Grammys vergeben wird, erhält. Die Auszeichnung würdigt Kuti als Pionier des Afrobeat, eines Genres, das er durch die Verschmelzung von Yoruba-Rhythmen mit Jazz und Funk entwickelte und das als Inspiration der heute beliebten Musikrichtung Afrobeats gilt. Kuti wurde neben weiteren internationalen Musikgrößen wie Carlos Santana und Whitney Houston geehrt, wodurch sein Werk in die höchste Liga der Musik aufgenommen wurde. Zwar richtet sich die Auszeichnung in erster Linie an Kutis künstlerisches Schaffen, seine Musik war aber stets untrennbar mit Sozialkritik und politischem Widerstand verbunden. So prangerte Kuti, der zugleich leidenschaftlicher Panafrikanist und Antiimperialist war, Korruption, autoritäre Herrschaft und soziale Ungerechtigkeit unter den Militärdiktaturen Nigerias an und musste dafür Verhaftungen und gewaltsame Unterdrückung erdulden. Die jetzige Auszeichnung unterstreicht den globalen Einfluss des Afrobeat und seine grundlegende Rolle in der modernen afrikanischen Musik.