Pressespiegel KW 18/2026: Hart umkämpft
Pressespiegel 24.4.2026 bis 30.4.2026

Großangriffe in Mali durch JNIM und Tuareg-Rebellen

 

In Mali kam es am Wochenende zu koordinierten Großangriffen durch die Dschihadistenmiliz Jama’at Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin (JNIM) und die Tuareg-Rebellenallianz FLA. Am Dienstag äußerte sich Junta-Chef und Übergangspräsident Assimi Goïta in einer nationalen Ansprache im Staatsfernsehen erstmals zu den Angriffen und bezeichnete die Lage als „äußerst ernst“, zugleich aber als „unter Kontrolle“. Er kündigte an, die militärischen Operationen fortzuführen, bis die beteiligten Gruppen ausgeschaltet seien. Die JNIM drohte derweil in einer Videobotschaft mit einer möglichen Belagerung der Hauptstadt Bamako. Ein Sprecher der FLA erklärte am Mittwoch, man strebe die Kontrolle über Gao, Timbuktu und Menaka an und fordere den vollständigen Rückzug Russlands aus dem Land.

Die gemeinsamen Angriffe richteten sich gegen strategische Ziele in verschiedenen Landesteilen, darunter Kidal und Gao im Nordosten bzw. Osten, Mopti und Sévaré im Zentrum des Landes sowie in Bamako, wo es unter anderem zu Angriffen auf den internationalen Flughafen kam. Auch in der an die Hauptstadt angrenzenden Stadt Kati, wo sich der größte Stützpunkt der malischen Armee befindet, kam es zu zahlreichen Anschlägen. Mindestens 23 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter Verteidigungsminister Sadio Camara, der bei einem Selbstmordanschlag auf seinem Anwesen getötet wurde. Camara galt als zweiter Mann hinter Goïta und als eine der wichtigsten Führungspersonen der Militärjunta. Er spielte zudem eine zentrale Rolle beim Aufbau der Beziehungen zu Russland. Auch Wohnhäuser von Goïta wurden attackiert. Am Samstagabend verhängten die malischen Behörden eine nächtliche Ausgangssperre und errichteten Straßensperrungen vor Polizeistationen, dem Generalstab der Streitkräfte und dem Gebäude des staatlichen Fernsehens. Im Norden des Landes übernahmen separatistische Tuareg-Rebellengruppen zudem die Kontrolle über die frühere Rebellenhochburg Kidal, die Malis Armee mit Unterstützung der russischen Wagner-Truppe erst 2023 zurückerobert hatte. Russlands Außenministerium bestätigte am Montag den Rückzug des Afrika-Korps aus der Stadt, während sich auch die malische Armee teilweise aus der Region Gao nahe der Grenze zu Niger zurückzog.

Die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die Afrikanische Union und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS verurteilten die Angriffe in Mali scharf. Auch die Allianz der Sahelstaaten (AES), der neben Mali die ebenfalls militärgeführten Sahelstaaten Burkina Faso und Niger angehören, verurteilte die Attacken und sprach von einem „monströsen Komplott, das von Feinden der Befreiung des Sahel unterstützt wird“. Konkrete militärische Unterstützung wurde bislang jedoch nicht angekündigt. Russland bekräftigte derweil seine Unterstützung für die malische Regierung. Das Land gilt als wichtigster militärischer Partner Malis, nachdem Goïta 2022 den Abzug der französischen Truppen, bis dahin der wichtigste Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus, veranlasst hatte. Die Anschlagsserie sowie der Rückzug russischer Truppen aus Kidal werfen laut Beobachterinnen und Beobachtern Fragen über die Wirksamkeit der militärischen Zusammenarbeit mit Russland auf. Die FLA wirbt derweil um Unterstützung aus Frankreich und führt in Paris Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich, wie Medien am Mittwoch berichteten.

Die Angriffe am Wochenende stellen laut Analystinnen und Analysten die größten Attacken in Mali seit Jahren dar. Während einige Beobachterinnen und Beobachter die Zusammenarbeit zwischen Tuareg-Rebellinnen und Rebellen und der von Al Qaida unterstützen JNIM als überraschend einordnen, verweisen andere auf frühere Phasen der Zusammenarbeit in 2012, bevor es zum Zerwürfnis zwischen den Gruppierungen kam. Wie nachhaltig diese erneute Zusammenarbeit ist und welche mittel- und langfristigen Auswirkungen sie auf die Sicherheitslage in Mali und der Sahelregion haben wird, bleibt abzuwarten.

 

 

DR Kongo kündigt paramilitärische Einheit für Bergbausektor an

 

Am Montag verkündete die Kongolesische Generalinspektion für Bergbau (IGM) die Einrichtung einer paramilitärischen Einheit zur Sicherung von Bergbaustandorten. Die Truppe soll bis 2028 auf eine Stärke von rund 20.000 Personen ausgebaut werden, um Schmuggel und Sicherheitsrisiken im Bergbausektor einzudämmen und das Vertrauen von Investorinnen und Investoren zu stärken. Die Einheit soll über ein Budget von 100 Millionen US-Dollar verfügen und im Rahmen strategischer Partnerschaften unter anderem mit den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aufgebaut werden. Genauere Informationen zur Herkunft der Mittel machte die IGM nicht, erklärte jedoch am Dienstag, nachdem die US-Botschaft betonte, die USA finanziere keine paramilitärischen Truppen zum Schutz von Minen, in einer separaten Stellungnahme, dass es sich nicht um eine direkte Finanzierung durch eine einzelne Regierung, sondern um Beiträge verschiedener Interessengruppen handelt.

Ein erstes Kontingent von rund 2.500 bis 3.000 Personen soll bereits ab Dezember dieses Jahres einsatzbereit sein; zuvor ist eine sechsmonatige Ausbildung in Zusammenarbeit mit dem Militär vorgesehen. Medienberichten zufolge soll der erste Einsatzort in der rohstoffreichen Region Katanga erfolgen, bevor die Präsenz bis 2028 auf alle 22 Bergbauprovinzen ausgeweitet wird. Zu den Aufgaben der neuen Einheit zählen die Sicherung der Minen, die Begleitung und Absicherung von Mineralientransporten von Abbaugebieten zu Verarbeitungsanlagen und Grenzposten. Auch der Schutz von Investitionen gehört dazu. Diese Aufgaben wurden bislang überwiegend von der Polizei und dem Militär übernommen. Die Maßnahme ist Teil der Bemühungen der Regierung von Präsident Félix Tshisekedi, den Bergbausektor stärker zu regulieren, transparenter zu gestalten und gegen Schmuggel und Intransparenz vorzugehen.

Die DR Kongo verfügt über erhebliche Rohstoffvorkommen und gehört insbesondere im Bereich kritischer Mineralien wie Kobalt und Kupfer zu den weltweit führenden Produzenten. Das Land stellt rund 70 % des weltweiten Kobaltangebots, das für die Batterieproduktion zentral ist, und verfügt über wichtige Gold- und Lithiumvorkommen. Gerade im Osten des Landes, wo ein großer Teil dieser Rohstoffvorkommen liegt, kommt es seit einigen Jahren immer wieder zu schweren Kämpfen zwischen der vom Nachbarland Ruanda unterstützten Rebellengruppe M23 und kongolesischen Regierungstruppen. Im Dezember unterzeichneten Kinshasa und Kigali unter Vermittlung der USA einen Friedensvertrag, der die Kampfhandlungen beenden sollte (Pressespiegel KW 50/2025; Pressespiegel KW 27/2025). Ein direktes Friedensabkommen mit der M23, dessen Verhandlungen unter Vermittlungen von Katar geführt werden, steht noch aus. Bestandteil des sogenannten Washington Accords ist neben sicherheitspolitischen Aspekten auch eine wirtschaftliche Komponente zur regionalen Kooperation im Rohstoffsektor und zur engeren Einbindung des kongolesischen Rohstoffsektors in internationale Lieferketten.

Im Rahmen des Washington Accords schlossen die USA und die DR Kongo zudem ein Abkommen über kritische Mineralien, das die Versorgung der US-Industrie mit strategischen Rohstoffen sichern und die dominante Position Chinas im kongolesischen Bergbausektor zurückdrängen soll. Ein erstes konkretes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist die Übernahme des kongolesischen Kupfer- und Kobaltproduzenten Chemaf durch das US-geführte Unternehmen Virtus und seinen indischen Partner Lloyds Metals im März dieses Jahres. Das entstehende Joint Venture kündigte zuletzt den vollständigen Wiederanlauf der Produktion der Chemaf-Minen für Anfang 2027 an.

 

 

Und sonst?

 

Am Samstag endete die 18. Ausgabe des “72 Hours of the Book” Festivals in der guineischen Hauptstadt Conakry. Im Mittelpunkt des dreitägigen Festivals stand in diesem Jahr das Thema Jugend und digitale Technologien. Workshops und Podiumsdiskussionen widmeten sich unter anderem digitalen Plattformen als Instrument zur Förderung afrikanischer Literatur und zur Gewinnung junger Leserinnen und Leser. Weitere Highlights stellten verschiedene Bühnenaufführungen sowie der Wettbewerb “Miss Literature” dar. Anders als bei traditionellen Schönheitswettbewerben stehen hier Kriterien wie Intellekt, Kreativität und Leselust im Vordergrund. In diesem Jahr wurde die Zahnmedizinstudentin Aïssatou Kamano zur Miss Literature gekrönt. Das Festival brachte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Studentinnen und Studenten, Kulturbegeisterte sowie hohe Staatsvertreterinnen und -vertreter zusammen und weiteten in diesem Jahr mit Veranstaltungen in Forécariah erstmals seine Aktivitäten über die Hauptstadt hinaus aus. Inzwischen gilt das “72 Hours of the Book” Festival als nationales Symbol des kulturellen Stolzes Guineas und spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung des kulturellen Engagements. Conakry war 2017 UNESCO-Welthauptstadt des Buches und wurde 2025 in das UNESCO Creative Cities Network aufgenommen.

 

 

Gratulation

 

Die Deutsche Afrika Stiftung gratuliert dem Kenianer Sabastian Sawe zum Sieg beim London Marathon am Sonntag mit einer historischen Bestmarke von unter zwei Stunden!

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