Pressespiegel KW 31/2026: Grüne Pfade
Pressespiegel 24.7.2026 bis 31.7.2026

AUDA-NEPAD stellt Entwicklungsprogramm für Inselwirtschaften und grünen Entwicklungsfond vor

 

Die African Union Development Agency (AUDA-NEPAD) stellte am vergangenen Freitag in Abidjan, Côte d’Ivoire, das Programme for African Developing Island Economies vor. Es ist das erste kontinentale Entwicklungsprogramm, das speziell auf die Herausforderungen afrikanischer Inselökonomien zugeschnitten ist. Die teilnehmenden Staaten Cabo Verde, Guinea-Bissau, die Komoren, Madagaskar, Mauritius, São Tomé und Príncipe sowie die Seychellen sollen im Rahmen eines Fünfjahresplans bis 2031 unter anderem bei der Klimaanpassung, der Handelsentwicklung und der Anbindung an kontinentale Märkte unterstützt werden.

Der Plan umfasst sechs Säulen: die blaue Wirtschaft und die nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen, Klimaanpassung und -resilienz, eine nachhaltige Energie- und Wasserversorgung, Konnektivität und Integration in die Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA), Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit sowie die digitale Transformation. Darüber hinaus setzt er auf eine an die Ressourcen der Inselökonomien angepasste Industrialisierung, den Ausbau maritimer und digitaler Infrastruktur sowie Investitionen in Zukunftstechnologien und die Wissensökonomie. Damit sollen gemeinsame strukturelle Herausforderungen wie kleine Binnenmärkte, geografische Abgeschiedenheit und eine hohe Anfälligkeit gegenüber Klimafolgen gezielt angegangen werden. Ausgearbeitet wurde das Programm im Rahmen eines Konsultationstreffens der sieben teilnehmenden Insel-Wirtschaften. Unterstützt wird es durch eine Partnerschaft mit Südkorea sowie durch die Afrikanische Entwicklungsbank, die regionalen Wirtschaftskomitees und die Kommission des Indischen Ozeans.

Ebenfalls angekündigt wurde die Einführung des African Green Transition PPP Fund (AGTPF). Dabei handelt es sich um eine neue öffentlich-private Investitionsplattform, die die Umsetzung grüner Infrastrukturprojekte auf dem Kontinent unterstützen soll. Investiert werden soll unter anderem in erneuerbare Energien, Übertragungsinfrastruktur, Projekte an der Schnittstelle von Wasser- und Energieversorgung, die Dekarbonisierung der Industrie sowie klimaresiliente Infrastruktur. Laut Nardos Bekele-Thomas, Direktorin der AUDA-NEPAD, fehle es Afrika nicht an grünen Projekten, sondern an Plattformen, die vorbereitete Vorhaben in konkrete Investitionen überführen. Der Fonds solle diese Lücke schließen und Kapital aus staatlichen, privaten und institutionellen Quellen für bankfähige Infrastrukturprojekte mobilisieren. Der AGTPF ist als luxemburgische SICAV-RAIF strukturiert und soll in einer ersten Phase bis zum Africa Business Forum 2026 rund 500 Millionen Euro an öffentlichem, privatem und institutionellem Kapital mobilisieren. Auch die am Programme for African Developing Island Economies beteiligten Staaten könnten von der neuen Finanzierungsplattform profitieren.

Die Ankündigungen erfolgten im Rahmen der gemeinsamen neunten Sitzung des Fachausschusses der Afrikanischen Union für Finanzen, Währungsangelegenheiten, Wirtschaftsplanung und Integration sowie der fünften Sitzung des Fachausschusses für Handel, Tourismus, Industrie und Bodenschätze in der vergangenen Woche. Das Treffen stand unter dem Motto „Die Industrialisierung Afrikas für eine nachhaltige Entwicklung finanzieren“. Im Mittelpunkt des Austauschs zwischen Ministerinnen und Ministern, Entwicklungspartnerinnen und -partnern sowie Vertreterinnen und Vertretern des Privatsektor, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft standen Strategien zur Finanzierung der Industrialisierung und zur Unterstützung der wirtschaftlichen Transformation Afrikas im Rahmen der Agenda 2063 der Afrikanischen Union.

 

 

Simbabwe treibt heimische Lithiumverarbeitung voran

 

Am vergangenen Freitag ging in Harare die erste Ausgabe der Zimbabwe Industrialisation Conference & Expo zu Ende. Die zweitägige Konferenz brachte hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und regionalen Organisationen zusammen, um über die Beschleunigung der Industrialisierung Simbabwes zu beraten. Offiziell eröffnet wurde die Konferenz am vergangenen Donnerstag von Präsident Emmerson Mnangagwa. In seiner Rede bekräftigte er das Ziel seiner Regierung, Simbabwe von einem Lieferanten unverarbeiteter Rohstoffe zu einem Standort zu entwickeln, in dem die eigenen Bodenschätze verarbeitet und weiterveredelt werden.

Simbabwe zählt zu Afrikas führenden Lithiumproduzenten und ist damit ein wichtiger Lieferant des für Batterien von Elektrofahrzeugen und Energiespeichern benötigten Rohstoffs. Bislang exportierte das Land sein Lithium jedoch größtenteils unverarbeitet. Im Mai nahm die erste Lithiumsulfat-Verarbeitungsanlage des Landes ihren vollen Betrieb auf.  Die Anlage, die sich an der Arcadia-Mine nahe Harare befindet und von der Prospect Lithium Zimbabwe (PLZ), eine Tochtergesellschaft des chinesischen Rohstoffunternehmens Zhejiang Huayou Cobalt betrieben wird, ist nach Unternehmensangaben zugleich die erste kommerzielle Anlage dieser Art auf dem afrikanischen Kontinent. Bereits im April hatte PLZ erstmals Lithiumsulfat aus der Anlage exportiert. Die Investitionen in die Anlage belaufen sich auf rund 400 Millionen US-Dollar.
PLZ zufolge ist zudem der Bau einer Anlage zur Raffinierung von Lithiumcarbonat – dem nächsten Schritt in der Verarbeitungskette – nahezu abgeschlossen. Auch der staatliche simbabwische Lithiumförderer Mutapa Energy Minerals bereitet derzeit den Bau einer Anlage zur Verarbeitung von Lithiumkonzentrat vor. Im Juli teilte der Geschäftsführer Innocent Rukweza mit, man habe mit mehreren chinesischen Unternehmen eine Einigung über die erforderliche Finanzierung erzielt.

Um die heimische Verarbeitung weiter zu fördern, setzte die Regierung in den vergangenen Monaten insbesondere auf Exportbeschränkungen für unverarbeitete Rohstoffe. Im Februar hatte sie einen Exportstopp für Rohmineralien und Lithiumkonzentrat verhängt. Dem soll ab Januar 2027 ein vollständiges Exportverbot für unverarbeitetes Lithium und 13 weitere kritische Rohstoffe – darunter Kobalt und Platinmetalle – folgen. Die Maßnahmen sind Teil der im vergangenen Jahr angelaufenen National Development Strategy 2, mit der Simbabwe bis 2030 den Aufstieg in die Gruppe der Länder mit gehobenem mittlerem Einkommen erreichen soll. Derzeit wird das Land von der Weltbank als Land mit niedrigem mittlerem Einkommen klassifiziert. Nach Angaben der Minerals Marketing Corporation of Zimbabwe (MMCZ) stiegen die Mineralienverkäufe im ersten Quartal 2026 auf 983,85 Millionen US-Dollar. Zugleich nahmen infolge des staatlichen Ausfuhrverbots für Rohmineralien das Exportvolumen um 27 % und die Exportwerte um 79 % zu. Die Erlöse aus Lithiumexporten stiegen laut Zahlen der MMCZ von 84,19 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 178,64 Millionen US-Dollar im selben Zeitraum dieses Jahres.

Trotz der wachsenden Bedeutung des Lithiumsektors mahnen Beobachterinnen und Beobachter, dass die lokale Verarbeitung allein noch keine breite wirtschaftliche Entwicklung garantiere. Wechselhafte politische Rahmenbedingungen, eine schwache Infrastruktur und begrenzte industrielle Kapazitäten verhindern eine gerechte Verteilung der gesteigerten Einnahmen. So habe die lokale Bevölkerung in vielen Bergbauregionen kaum vom rasanten Wachstum des Lithiumsektors profitiert und beklage weiterhin marode Straßen, fehlende Arbeitsplätze vor Ort sowie mangelnde Investitionen in Gesundheit und Bildung. Kritik kommt zudem von Seiten kleinerer Produzentinnen und Produzenten, die darauf hinweisen, dass ihnen häufig die finanziellen Mittel für eigene Verarbeitungsanlagen fehlen. Sie fordern daher gemeinschaftlich nutzbare Verarbeitungskapazitäten, die auch kleineren Bergbauunternehmen eine stärkere Beteiligung an der Wertschöpfungskette ermöglichen könnten.

Um die heimische Verarbeitung weiter zu fördern, setzte die Regierung in den vergangenen Monaten insbesondere auf Exportbeschränkungen für unverarbeitete Rohstoffe. Bereits im Februar hatte sie einen Exportstopp für Rohmineralien und Lithiumkonzentrat verhängt. Dem soll ab Januar 2027 ein vollständiges Exportverbot für unverarbeitetes Lithium und 13 weitere kritische Rohstoffe – darunter Kobalt und Platinmetalle – folgen. Die Maßnahmen sind Teil der im vergangenen Jahr angelaufenen National Development Strategy 2, mit der Simbabwe bis 2030 den Aufstieg in die Gruppe der Länder mit gehobenem mittlerem Einkommen erreichen soll. Derzeit wird das Land von der Weltbank als Land mit niedrigem mittlerem Einkommen klassifiziert. Nach Angaben der Minerals Marketing Corporation of Zimbabwe (MMCZ) stiegen die Mineralienverkäufe im ersten Quartal 2026 auf 983,85 Millionen US-Dollar. Zugleich nahmen infolge des staatlichen Ausfuhrverbots für Rohmineralien das Exportvolumen um 27 % und die Exportwerte um 79 % zu. Die Erlöse aus Lithiumexporten stiegen laut Zahlen der MMCZ von 84,19 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 178,64 Millionen US-Dollar im selben Zeitraum dieses Jahres. 

Trotz der wachsenden Bedeutung des Lithiumsektors mahnen Beobachterinnen und Beobachter, dass die lokale Verarbeitung allein noch keine breite wirtschaftliche Entwicklung garantiere. Wechselhafte politische Rahmenbedingungen, eine schwache Infrastruktur und begrenzte industrielle Kapazitäten verhindern eine gerechte Verteilung der gesteigerten Einnahmen. So habe die lokale Bevölkerung in vielen Bergbauregionen kaum vom rasanten Wachstum des Lithiumsektors profitiert und beklage weiterhin marode Straßen, fehlende Arbeitsplätze vor Ort sowie mangelnde Investitionen in Gesundheit und Bildung. Kritik kommt zudem von Seiten kleinerer Produzentinnen und Produzenten, die darauf hinweisen, dass ihnen häufig die finanziellen Mittel für eigene Verarbeitungsanlagen fehlen. Sie fordern daher gemeinschaftlich nutzbare Verarbeitungskapazitäten, die auch kleineren Bergbauunternehmen eine stärkere Beteiligung an der Wertschöpfungskette ermöglichen könnten.

 

 

Sondermeldung: Olara A. Otunnu, Deutscher Afrika-Preisträger 2002, kandidiert für UN-Generalsekretärsposten

 

Am vergangenen Freitag stieg der ugandische Diplomat Olara A. Otunnu ins Rennen um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres ein. Otunnu, der frühere UN-Untergeneralsekretär und Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte, ist Träger des Deutschen Afrika-Preises 2002. Der 75-Jährige, der als derzeit ältester Kandidat antritt, kündigte an, die Beendigung großer internationaler Konflikte zu einer Priorität machen zu wollen und sprach sich für einen konsequenten Klimaschutz aus, der mit wirtschaftlicher Entwicklung vereinbar sei. Zudem kündigte er an, eine Institution zur Begleitung der UN-Arbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz schaffen zu wollen. Mit Otunnu bewirbt sich nach Macky Sall nun der zweite afrikanische Kandidat um das höchste Amt der Vereinten Nationen. Sall war von 2012 bis 2024 Präsident der Republik Senegal und setzt sich unter anderem für eine Reform der Vereinten Nationen sowie für eine stärkere Repräsentation Afrikas und des Globalen Südens in internationalen Entscheidungsstrukturen ein. Derzeit bewerben sich neben Otunnu und Sall fünf Kandidatinnen und Kandidaten aus Lateinamerika und der Karibik um den UN-Posten.

 

 

Und sonst?

 

Am vergangenen Freitag wurde in Lilongwe Malawis erste netzgekoppelte Batteriespeicheranlage mit 20 MW Leistung und 40 MWh Speicherkapazität in Betrieb genommen. Die Anlage wurde als gemeinsames Projekt der staatlichen Electricity Supply Corporation of Malawi (ESCOM) und der Global Energy Alliance for People and Planet (GEAPP) umgesetzt. Sie speichert überschüssigen Solarstrom und speist diesen bei Bedarf wieder ins Netz ein. So können künftig Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Malawis Stromerzeugung basiert bislang zu zwei Dritteln auf Wasserkraft und leidet zunehmend unter Dürren sowie Extremwetterereignissen. Solarenergie macht derzeit rund 100 MW der insgesamt 580 MW installierten Kraftwerksleistung des Landes aus. Mit dem neuen Batteriespeicher sollen Stromausfälle reduziert und erneuerbare Energien besser in das Stromnetz integriert werden. Rund 600.000 zusätzliche Haushalte sollen nach Angaben des Betreibers von einer zuverlässigen Stromversorgung profitieren. Die Anlage ist Teil von Malawis Bestrebungen, die Stromversorgung auszubauen. Bis 2030 soll der Elektrifizierungsgrad auf 70 % steigen; aktuell verfügen nur rund 25 % der malawischen Haushalte über einen Stromanschluss. Die Regierung kündigte bereits drei weitere Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von 60 MW an. Die Speicheranlage in Lilongwe ist die einzige ihrer Art im südlichen Afrika außerhalb Namibias und Südafrikas.

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