Proteste in der Demokratischen Republik Kongo
Am Dienstag fanden in mehreren Städten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) Proteste gegen die Pläne der Regierung zur Änderung der Verfassung statt. Zu der landesweiten Mobilisierung hatte die Oppositionskoalition Coalition Article 64 (C64) aufgerufen, die bereits in den vergangenen Monaten mehrfach gegen das Vorhaben protestiert hatte. In der Hauptstadt Kinshasa verlief die Demonstration zunächst friedlich, bevor es zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und regierungsnahen Gruppen kam. Die Opposition beschuldigte Mitglieder der als regierungsnah geltenden Miliz Force du Progrès, gewaltvoll gegen die Protestierenden vorgegangen zu sein. Die Polizei setzte Tränengas ein und gab Warnschüsse ab; mehrere Menschen wurden verletzt und mindestens zehn festgenommen. Auch in Lubumbashi und Uvira, wo die Proteste von den Behörden untersagt worden waren, kam es zu Demonstrationen, die von den Sicherheitskräften aufgelöst wurden; dabei wurden nach Angaben der Opposition ebenfalls mehrere Menschen festgenommen.
Hintergrund der Proteste ist ein im Juni vom Senat verabschiedeter Gesetzentwurf, der erstmals einen rechtlichen Rahmen für Verfassungsreferenden schafft und dem Präsidenten die Einberufung eines solchen Referendums überträgt (Pressespiegel KW 25/2026). Kritikerinnen und Kritiker, darunter die C64, befürchten, dass eine neue Verfassung die derzeit geltende Begrenzung der Amtszeiten des Präsidenten umgehen und damit Félix Tshisekedi eine erneute Kandidatur ermöglichen könnte. Ende August wies die Koalition auch Tshisekedis Vorgehen bei der Vorbereitung eines Nationalen Dialogs zurück.
Angesichts des anhaltenden Konflikts im Osten des Landes und der politischen Spannungen hatte Tshisekedi vor rund drei Wochen einen Nationalen Dialog angekündigt. Am Sonntag setzte er per Verordnung ein vorläufiges Organisationskomitee zur Vorbereitung des Dialogs ein. Dieses soll den organisatorischen, finanziellen, technischen, logistischen und sicherheitstechnischen Rahmen des Dialogs klären sowie Vorschläge für die Einsetzung einer Vorbereitungskommission erarbeiten. Das Komitee untersteht direkt der Autorität des Präsidenten, der die Koordinatorinnen und Koordinatoren, deren Stellvertretungen, die Mitglieder sowie die elf Expertinnen und Experten des technischen Sekretariats ernennt. Letzteres untersteht wiederum dem Kabinettschef des Präsidenten und ist diesem gegenüber berichtspflichtig. Insgesamt soll der Dialog drei Monate dauern, wobei zunächst Konsultationen in den 26 Provinzen stattfinden sollen, bevor die Gespräche in Kinshasa zusammengefeührt werden. Offen sind bislang die Zusammensetzung, Teilnahmekriterien, der konkrete Zeitplan sowie die thematische Ausrichtung des Dialogs.
Kritik kommt insbesondere von Seiten der C64. Sie wirft Tshisekedi vor, als politischer Akteur zugleich die Organisation und Zusammensetzung des Dialogs zu kontrollieren, und fordert einen inklusiveren Prozess. Der C64-Politiker und ehemalige Präsidentschaftskandidat Martin Fayulu sprach sich am Mittwoch erneut dafür aus, auch die an dem Konflikt im Osten des Landes beteiligten bewaffneten Akteure einzubeziehen. Die Nationalversammlung lehnte eine Beteiligung der Alliance Fleuve Congo/Mouvement du 23 mars (AFC/M23) am Nationalen Dialog am Donnerstag hingegen ausdrücklich ab.
Währenddessen trafen am Mittwoch und Donnerstag Vertreterinnen und Vertreter der DR Kongo und Ruandas in Genf zur siebten Sitzung des Gemeinsamen Mechanismus zur Sicherheitskoordination zusammen. Im Mittelpunkt standen die noch offenen Sicherheitsverpflichtungen aus dem im Dezember 2025 in Washington unterzeichneten Abkommen zur Beendigung des Konflikts im Osten der DR Kongo. Dazu zählen die Neutralisierung der im Osten des Landes operierenden Forces démocratiques de libération du Rwanda (FDLR) sowie die Aufhebung der defensiven Maßnahmen Ruandas.
Ausbau der Beziehungen zwischen Marokko und Israel, Abbruch zwischen Algerien und den VAE
Am Mittwoch einigten sich die Außenminister Israels und Marokkos darauf, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder weiter auszubauen. So gab das israelische Außenministerium nach einem von den USA ausgerichteten Dreiertreffen der Außenminister in New York bekannt, dass man erstmals seit der Wiederaufnahme der Beziehungen Botschafterinnen und Botschafter in das jeweils andere Land entsenden werde. Die bisherigen Verbindungsbüros in beiden Ländern sollen entsprechend zu vollwertigen Botschaften aufgewertet werden. Einen Zeitplan hierfür gab man jedoch nicht bekannt. Nach Angaben des Ministeriums einigten sich der israelische Außenminister Gideon Sa’ar und sein marokkanischer Amtskollege Nasser Bourita zudem darauf, bis Ende 2026 Abkommen zum Investitionsschutz und zur Vermeidung der Doppelbesteuerung abzuschließen. Ferner wolle man das Angebot an Direktflügen auf marokkanische Fluggesellschaften ausweiten, nachdem vergangenen Monat bereits die israelische Fluglinie Arkia zum ersten Mal seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wieder Direktflüge zwischen Tel Aviv und Marrakesch aufgenommen hatte. Bei dem Treffen bekräftigten die USA und Israel zudem ihre Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara und ihre Unterstützung des marokkanischen Autonomieplans.
Die aktuellen Vereinbarungen knüpfen an die Wiederaufnahme der offiziellen Beziehungen zwischen Israel und Marokko im Dezember 2020 an. Im Rahmen der unter der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ausgehandelten Abraham-Abkommen normalisierte Marokko – wie zuvor bereits die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain – seine Beziehungen zu Israel. Im Gegenzug erkannte die US-Regierung die marokkanische Souveränität über die Westsahara an. Seither wurde die Zusammenarbeit zwischen Israel und Marokko schrittweise weiter ausgebaut, was jedoch insbesondere seit Beginn des Gaza-Krieges in weiten Teilen der marokkanischen Bevölkerung auf Kritik stößt. So kam es seitdem wiederholt zu pro-palästinensischen Demonstrationen, bei denen auch der Abbruch der Beziehungen zu Israel gefordert wurde. Gleichzeitig vertieften die Regierungen beider Länder ihre Zusammenarbeit, vor allem im Verteidigungsbereich. Im November 2021 unterzeichneten sie eine umfangreiche Vereinbarung, die unter anderem die Zusammenarbeit bei Geheimdienstinformationen, industrieller Rüstungskooperation und gemeinsamen Militärübungen umfasst. Im Januar 2026 folgte ein gemeinsamer militärischer Arbeitsplan für das laufende Jahr, der unter anderem eine vertiefte Kooperation bei Luftverteidigungssystemen und Drohnentechnologie vorsieht. Bereits 2023 erkannte Israel zudem offiziell die marokkanische Souveränität über die Westsahara an.
Die weitere Vertiefung der Beziehungen ist auch vor dem Hintergrund der seit Jahren andauernden Spannungen zwischen Marokko und seinem Nachbarland Algerien zu betrachten. Beide Staaten unterhalten seit August 2021 keine diplomatischen Beziehungen mehr und vertreten insbesondere in der Westsahara-Frage gegensätzliche Positionen: Während Marokko das Gebiet als Teil seines Staatsgebiets beansprucht und einen Autonomieplan verfolgt, unterstützt Algerien die Frente Polisario und fordert eine Lösung, die das Selbstbestimmungsrecht der Sahrauis berücksichtigt. Zugleich lehnt Algerien eine Normalisierung der Beziehungen arabischer Staaten mit Israel ab. Die Zusammenarbeit zwischen Israel und Marokko betrifft damit zwei zentrale außenpolitische Streitfragen zwischen Rabat und Algier.
Die algerische Regierung hat unterdessen am 10. September den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den VAE verkündet. Zur Begründung verwies das Außenministerium auf „provokante und feindselige“ Handlungen der Emirate, ohne konkrete Vorfälle zu nennen. Der emiratische Botschafter wurde aufgefordert, das Land binnen 48 Stunden zu verlassen. Zudem kündigte das algerische Verteidigungsministerium die Sperrung des Luftraums für zivile und militärische Luftfahrzeuge mit Registrierung in den VAE an. Kommerzielle Flüge von und nach Algerien sollen davon bis Ende 2026 ausgenommen bleiben. Die Regierung der VAE erklärte, sie bedauere den Schritt und hoffe, dass der Abbruch der Beziehungen nur vorübergehend sei. Sechs Tage später entzogen die algerischen Behörden zudem dem Büro des emiratischen Nachrichtensenders Sky News Arabia die Akkreditierung. Eine Begründung für die Entscheidung wurde zunächst nicht genannt.
Und sonst?
Nairobi wird 2029 die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ausrichten, wie der Leichtathletik-Weltverband World Athletics am Dienstag bekannt gab. Damit finden die Weltmeisterschaften erstmals auf dem afrikanischen Kontinent statt. Kenias Hauptstadt setzte sich dabei gegen Bewerbungen aus London und Rom durch; München erhielt den Zuschlag für die Weltmeisterschaften 2031. Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, Sebastian Coe, verwies bei der Bekanntgabe der Entscheidung auf Nairobis Erfahrung mit der Ausrichtung internationaler Leichtathletikveranstaltungen, die große Begeisterung für den Sport in Kenia und die sportlichen Erfolge des Landes. Das ostafrikanische Land ist mit 72 Goldmedaillen nach den USA die zweiterfolgreichste Nation in der Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaften, scheiterte mit seiner Bewerbung für die Weltmeisterschaften 2025 jedoch unter anderem am Zustand der vorgesehenen Austragungsstätten. Austragungsort soll nun das Kasarani-Stadion in Nairobi sein, das derzeit im Vorfeld des Afrika-Cups (AFCON) 2027, der gemeinsam von Kenia, Tansania und Uganda ausgerichtet wird, umfassend modernisiert wird. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Stadion rund 48.000 Zuschauerinnen und Zuschauer fassen.