Die militärische Eskalation zwischen Israel, den USA und Iran sorgt auch in afrikanischen Medien und politischen Debatten für intensive Diskussionen. Während viele afrikanische Regierungen in ihren offiziellen Stellungnahmen eine vorsichtige und diplomatische Sprache wählen und es vermeiden, klar Stellung für eine der drei Hauptkriegsparteien zu beziehen (Pressespiegel KW 10/2026), zeigt ein Blick in die afrikanische Medienlandschaft bereits in der Wortwahl unterschiedliche Rahmungen der militärischen Auseinandersetzung. Während einige Medien den Konflikt vergleichsweise neutral als „Iran-Israel-Konflikt“ oder „Eskalation im Nahen Osten“ bezeichnen, verwenden andere deutlich politischere oder akteursbezogene Formulierungen. So sprechen etwa staatliche Presseagenturen in Nordafrika wie der Algerien Press Service oder Agence Tunis Afrique Presse von „amerikanisch-zionistischen Angriffen“ beziehungsweise „US-zionistischen Angriffen gegen Iran“. Auch Algeriens Staatsradio spricht von „amerikanisch-zionistischen Aggressionen“. Auffällig ist dabei, dass die großen algerischen Tageszeitungen zwar über die iranischen Gegenangriffe auf Hauptstädte der Golfstaaten berichten, diese jedoch nicht als „Aggression“ bezeichnen.
In Ägypten sprechen die großen Tageszeitungen Al-Ahram (staatlich) und Al-Masry Al-Youm (privat) vom “amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran”. Hespress, eine private marokkanische Online-Nachrichtenplattform, ist etwas zurückhaltender in der Begriffswahl und beschreibt die Entwicklungen überwiegend als „Iran-Israel-Konflikt“ oder „Krieg im Nahen Osten“ – Formulierungen, die beispielsweise auch die kenianischen Zeitungen The Star und The EastAfrican nutzen. Westafrikanische Medien, wie z.B. das nigerianische Medienportal THISDAYLIVE oder Daily Trust sprechen hingegen vom „US-Israel-Iran-Krieg“ oder vom „Krieg zwischen USA, Israel und Iran“, während z.B. Südafrikas Mail & Guardian überwiegend auf Terminologien wie „Iran-Krieg“ oder „Iran-Israel-Konflikt“ zurückgreift.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf afrikanische Staaten
Besonders internationale Handelsrouten und globale Energiemärkte verzeichnen bereits spürbare Effekte des Iran-Kriegs. Inzwischen blockiert Iran die für den maritimen Handel zentrale Straße von Hormus; Berichten zufolge sollen dort zudem Minen verlegt worden sein. Rund ein Fünftel des weltweiten Öltransportes passiert diese Engstelle. Auch das Bab al-Mandab-Nadelöhr ins Rote Meer gilt auf Grund der Regionalisierung des Krieges als hochriskant. Durch die gestiegenen Sicherheitsrisiken müssen Schiffe nun auf längere und teils aufwendigere Handelsrouten um das Kap der Guten Hoffnung ausweichen, was Transportzeiten verlängert und Kosten erhöht. Damit steigt zugleich das Risiko von Lieferverzögerungen und Versorgungsengpässen – nicht nur bei Öl, sondern auch bei Gütern wie Getreide und Düngemitteln.
Die Unsicherheit über Transportwege, kombiniert mit Angriffen auf Raffinerien in den Golfstaaten, hat bereits zu einem deutlichen Anstieg der Rohölpreise geführt, wobei Brent Öl zeitweise wieder Niveaus um oder über 100 US-Dollar pro Barrel erreichte. Ölproduzierende afrikanische Staaten wie Nigeria, Angola oder Ghana können dabei durchaus von den gestiegenen Preisen für Rohöl profitieren: Höhere Einnahmen aus Exporten verbessern ihre Leistungsbilanzen und erweitern fiskalische Spielräume. So könnte Angola seinen Leistungsbilanzsaldo laut Bloomberg Economics um mehrere Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigern, falls die hohen Preise länger anhalten. Für Länder wie Nigeria, die nur über begrenzte Raffineriekapazitäten verfügen und auf importierte raffinierte Produkte angewiesen sind, schlagen sich die gestiegenen Weltmarktpreise jedoch direkt auf die Inlandspreise nieder. So stiegen in Nigeria die Benzinpreise im Februar 2026 um rund 35% im Vergleich zum Vorjahr. Auch Netto-Energieimporteure wie Ägypten oder Uganda spüren die Effekte unmittelbar. In Ägypten verteuerten sich laut Berichten des Energieministeriums im März 2026 die Benzinpreise um rund 22%, was wiederum zusätzlichen Druck auf Ägyptens angeschlagene Wirtschaft ausübt. Entsprechend führte Ägypten bereits Gespräche mit der EU, den USA sowie internationalen Finanzinstitutionen, um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges abzufedern. Auch in Uganda verteuern bereits heute höhere Importkosten für Diesel und Benzin die Transport- und Produktionskosten.
Trotz der spürbaren Preissteigerungen und der Unsicherheiten auf den Energiemärkten bewertet WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala die Auswirkungen des Konflikts auf Afrika bislang vergleichsweise zurückhaltend. In einem kurzen Video-Statement bei BBC News Africa erklärte sie, dass viele afrikanische Länder bislang weniger direkt vom Konflikt betroffen seien, da sie nur begrenzte Handelsbeziehungen zu den Hauptkriegsteilnehmern unterhalten. Zugleich verwies sie auf das langfristige wirtschaftliche Potenzial des Kontinents und bezeichnete die Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen als eine zentrale Stärke Afrikas. Nichtsdestotrotz lassen sich wirtschaftliche Folgen für afrikanische Staaten nicht von der Hand weisen, sie fallen regional nur sehr unterschiedlich aus. Wie die Beispiele Ägyptens, Nigerias und Ugandas zeigen, sind insbesondere Staaten betroffen, deren Handelsrouten stark von der Golfregion abhängen oder deren Volkswirtschaften stark vom Ölhandel geprägt sind.
Ein oft übersehener Bereich wirtschaftlicher Betroffenheit ist die Arbeitsmigration und der damit verbundene Transfer von Rücküberweisungen (Remittances). Viele Afrikanerinnen und Afrikaner, vor allem aus Nord- und Ostafrika, sind in der Golfregion beschäftigt und ein erheblicher Teil der Verdienste fließt direkt in die heimischen Volkswirtschaften zurück. Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel Kenia. Rund 500.000 Kenianerinnen und Kenianer leben laut offiziellen Angaben im Nahen und Mittleren Osten, davon die meisten in Saudi-Arabien (ca. 300.000), den Vereinigten Arabischen Emiraten (60-80.000), Katar (ca. 70.000) und Oman (4-5.000). Dabei ist Saudi-Arabien Kenias weltweit drittgrößte Quelle von Rücküberweisungen. Im Jahr 2025 flossen laut der kenianischen Zentralbank rund 302,1 Millionen US-Dollar an Rücküberweisungen aus Saudi-Arabien nach Kenia; in 2024 lag die Zahl noch bei 403,12 Millionen US-Dollar. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wirken sich folglich nicht nur über Energiepreise oder veränderte Import-/Export-Bedingungen auf afrikanische Volkswirtschaften aus, sondern auch über soziale und arbeitsmarktbezogene Verflechtungen zwischen Afrika und den Golfstaaten.
Frieden und Sicherheit
Auch sicherheitspolitisch könnte der Iran-Krieg große Auswirkungen auf dem afrikanischen Kontinent haben, insbesondere am Horn von Afrika. Die Region ist von strategischer Bedeutung, da sie an wichtigen Handelsrouten am Roten Meer und der Straße von Bab al-Mandab liegt und Afrika mit dem Nahen Osten verbindet. In den vergangenen Jahren haben insbesondere die Golfstaaten, aber auch Israel und die Türkei ihr Engagement am Horn von Afrika ausgeweitet – sowohl politisch, wirtschaftlich als auch militärisch. Die Region ist von vielfältigen sicherheitspolitischen Herausforderungen geprägt, darunter langjährige innere Konflikte, Spannungen zwischen Nachbarstaaten und das komplexe Zusammenspiel externer Akteure, die nun durch den Iran-Krieg verschärft werden könnten.
Ein akuter Risikofaktor ist laut Beobachterinnen und Beobachtern der mögliche Eintritt der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen in den Konflikt als Hauptkriegspartei. Diese könnten gezielt Stützpunkte der Golfstaaten, etwa den Militärstützpunkt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in Berbera, Somaliland, oder die US-Militärbasis Camp Lemonnier in Dschibuti angreifen, womit der Krieg erstmals auf afrikanischen Boden übergreifen könnte. Verschärft werden diese Befürchtungen durch Berichte, wonach Israel bereits mögliche Stützpunkte in Somaliland prüfe, um von dort Aufklärungs- und Sicherheitsoperationen gegen die Huthi durchzuführen. Erst im vergangenen Jahr hatte Israel als erstes UN-Mitglied Somaliland, eine de facto autonome Region, die von Somalia beansprucht wird, als souveränen Staat anerkannt, was zu erheblichen Spannungen in der Region führte. Beobachterinnen und Beobachter gehen zudem davon aus, dass israelische Streitkräfte bereits vor Ort sind und den Militärstützpunkt der VAE in Berbera nutzen. Während einige Analystinnen und Analysten wie Abdulghani al-Iryani vom Sana’a Centre for Strategic Studies einen direkten Kriegseintritt der Huthi für eher unwahrscheinlich halten, hatten Vertreterinnen und Vertreter der Huthi bereits mehrfach davor gewarnt, jede Art von militärischer Präsenz Israels in Somalia als Provokation zu werten – eine Drohung, der sich auch die iran-nahe somalische Miliz al-Shabaab anschloss.
Im Sudan könnte der Iran-Krieg die Dynamiken des anhaltenden Bürgerkrieges beeinflussen. Während dort die paramilitärische Rapid Support Forces (RSF) unter Mohammed Hamdan „Hemeti“ Daglo von den VAE unterstützt wird, wird die sudanesische Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) unter Abdel Fattah Burhan von Saudi-Arabien unterstützt. Zugleich hatte die SAF erst im Jahr 2023 die Beziehungen zu Teheran wieder aufgenommen und seither die Zusammenarbeit mit Iran ausgebaut. Laut Berichten soll Iran die SAF bisher insbesondere mit Drohnen ausgestattet haben – dass Iran hierzu derzeit nicht mehr in der Lage sein wird, gilt laut Expertinnen und Experten als fast sicher. Sollte auch der Fokus der anderen Golfstaaten durch den sich zuspitzenden Nahost-Konflikt stärker in die eigene Region verlagert werden, könnte dies deren externe Unterstützung – etwa die Lieferung von Waffen und weiterer Militärausrüstung, die Zusammenarbeit im Bereich Streitkräfteausbildung oder logistische Unterstützung – für beide Konfliktparteien verringern. Derzeit gehen Beobachterinnen und Beobachter davon aus, dass keine Seite über ausreichend Ressourcen verfügt, einen entscheidenden Schlag gegen die jeweils andere zu führen, sodass sich der Bürgerkrieg weiter in die Länge ziehen könnte. Andere Analystinnen und Analysten wiederum schätzen die Auswirkungen des Iran-Krieges zumindest auf die Rolle der VAE im Sudan als eher gering ein. Selbst für den Fall, dass der Iran-Krieg die politische Aufmerksamkeit der Emirate absorbieren würde, seien die Netzwerke mit der RSF so etabliert, dass die Lieferketten der RSF nicht beeinflusst würden. Ob und welche Auswirkungen der Iran-Krieg auf den Mediationsprozess der sogenannten Quad-Initiative, bestehend aus den USA, Ägypten, Saudi-Arabien und den VAE, haben könnte, ist derweil noch nicht abzusehen und wird in den Debatten bisher vernachlässigt.
Neben dem Krieg im Sudan prägen weitere regionale Spannungen und ungelöste Grenz‑ und Einflusskonflikte – etwa zwischen Äthiopien und seinen Nachbarn Eritrea und Somalia oder im Streit um den Status Somalilands – die Sicherheit am Horn von Afrika. Auch hier könnte ein möglicher Rückgang des Engagements der Golfstaaten durch den Iran-Krieg bestehende Spannungen verstärken – oder aber auch zu (temporären) Entspannungen führen. So wirft Somalia beispielsweise den VAE vor, Israels Anerkennung Somalilands aktiv unterstützt zu haben und beendete infolgedessen im vergangenen Monat sämtliche Zusammenarbeit mit den Emiraten zugunsten neuer Sicherheitskooperationen mit Saudi-Arabien. Ein Rückzug der VAE im Zuge des Iran-Krieges könnte daher zu einer gewissen Entspannung in der Region beitragen. Gleichzeitig könnte Äthiopien, bei einem Wegfall der diplomatischen Einflüsse aus Saudi-Arabien, versucht sein, seinen selbstdefinierten Anspruch auf Zugang zum Roten Meer durch die 2024 unterzeichnete Absichtserklärung mit Somaliland doch weiter zu verfolgen (Pressespiegel KW 2/2024), was wiederum zu einer Eskalation der Spannungen führen könnte. Von einem Rückzug der Golfstaaten würde vor allem auch die Türkei profitieren, die ihr Engagement am Horn von Afrika weiter ausbauen und sich als stabilisierende Kraft positionieren könnte. Ob und wie stark sich die Golfstaaten möglicherweise aus der Region zurückziehen werden, hängt Expertinnen und Experten zufolge jedoch stark davon ab, wie lange der Iran-Krieg andauern wird.
Auch im Sahel und angrenzenden Teilen Westafrikas könnte der Iran-Krieg indirekte sicherheitspolitische Folgen haben. Iran hat zuletzt seine Kontakte zu Sahelstaaten wie Niger ausgebaut, unter anderem mit einem Sicherheitskooperationsabkommen zur Zusammenarbeit in Grenz- und Terrorismusfragen; Niger bezieht dabei ebenfalls auch Drohnen aus dem Iran. Medien berichteten zudem über geheime Verhandlungen über die Lieferung von 300 Tonnen Uran aus Niger an Iran, offizielle Bestätigungen gibt es dafür jedoch nicht. Auch in anderen Teilen Westafrikas könnte die Eskalation in Nahost derweil die Sicherheitslage weiter belasten, insbesondere im Norden Nigerias, wo es jüngst vermehrt zu koordinierten Angriffen islamistischer Gruppen auf Militärbasen und Zivilbevölkerung gekommen ist. So könnten militante islamistische Gruppen den Iran-Krieg für Propaganda- und Rekrutierungszwecke nutzen. Expertinnen und Experten warnen zudem davor, dass US-Personal und -Material, das derzeit bei gemeinsamen Operationen mit nigerianischen Streitkräften gegen diese Gruppen eingesetzt wird, in einem solchen Kontext verstärkt ins Visier geraten könnte, auch wenn bislang keine direkten Angriffe als Folge des Iran-Krieges nachweisbar sind.
Wie sich die Konfliktdynamiken am Horn von Afrika, im Sahel und in Westafrika durch den Iran-Krieg entwickeln, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob der Konflikt für den afrikanischen Kontinent vor allem wirtschaftliche Herausforderungen oder auch neue sicherheitspolitische Dynamiken mit sich bringt. Entscheidend wird die Dauer und das Ausmaß des Iran-Krieges sein, aber auch, welche außenpolitischen Prioritäten externe Akteure setzen und welche neuen Spannungs- oder Kooperationsmöglichkeiten sich daraus ergeben.