Dritter Russland-Afrika-Gipfel in Moskau
Am Mittwoch und Donnerstag fand in Moskau der dritte Russland-Afrika-Gipfel statt. Delegationen aus 48 afrikanischen Ländern nahmen an dem Treffen teil, darunter 21 Staats- und Regierungschefs. Den Vorsitz führten der russische Präsident Wladimir Putin und der burundische Präsident Évariste Ndayishimiye, der zugleich Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) ist. Zu den Teilnehmenden zählten unter anderem Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi und Kenias Präsident William Ruto.
Den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen stellte Putin bei der Abschlusspressekonferenz als eine zentrale Aufgabe der Zusammenarbeit mit Afrika heraus. Das Handelsvolumen habe 2025 mehr als 27 Milliarden US-Dollar erreicht, sei aber „erst der Anfang“. Einen Rahmen für die weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet der Aktionsplan des Russland-Afrika-Partnerschaftsforums für 2027 bis 2029, der beim Gipfeltreffen verabschiedet wurde und 236 Einzelmaßnahmen umfasst. Vorgesehen sind unter anderem eine stärkere Nutzung nationaler Währungen im Handel, die Verknüpfung russischer Zahlungssysteme mit der panafrikanischen Zahlungsplattform PAPSS sowie eine engere Zusammenarbeit mit afrikanischen Entwicklungsbanken. Auch Zollverfahren sollen vereinfacht und direkte Flugverbindungen sowie internationale Transportkorridore ausgebaut werden. Weitere Schwerpunkte bilden Investitionen in die Förderung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe, die Ansiedlung russischer Industriezonen mit lokalisierter Produktion in Afrika sowie der Aufbau gemeinsamer Produktionsstätten für Arzneimittel, Impfstoffe und zivile Drohnen. Im Energiebereich ist eine Kooperation beim Bau von Atomkraftwerken sowie beim Abbau und bei der Verarbeitung von Uran vorgesehen. Daneben verabschiedeten die Teilnehmenden eine gemeinsame Erklärung, in der sie unter anderem Reformen des UN-Sicherheitsrats und der internationalen Finanzinstitutionen sowie eine stärkere Vertretung afrikanischer Staaten in internationalen Gremien forderten. Eine weitere Erklärung zur zivilen Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) sieht Kooperationen bei der Entwicklung von KI-Anwendungen, der Erkennung KI-generierter Fälschungen und der Bewertung technologischer Risiken vor.
Am Rande des Gipfels unterzeichnete Russland sowohl mit der AU-Kommission als auch mit der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) jeweils einen eigenen Aktionsplan für die Zusammenarbeit. Der AU-Kommissionsplan für 2027 bis 2029 umfasst 19 Kooperationsfelder, darunter Frieden und Sicherheit, Technologie, Landwirtschaft und Bildung. Auch mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS), mit der Russland eine vertiefte Partnerschaft anstrebt, traf Putin zusammen. Zudem führte er bilaterale Gespräche mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi und Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed; letzterer verkündete noch am selben Tag den vorgezogen Erhalt zwölf russischer Su-35-Kampfjets. Begleitet wurde der Gipfel vom Russland-Afrika-Wirtschafts- und Humanitärforum sowie einem Jugendforum an der Moskauer Staatlichen Universität für Internationale Beziehungen (MGIMO).
Der Gipfel ist Teil von Russlands Bemühungen, seine Beziehungen zu afrikanischen Staaten auszubauen. Dazu gehören die sicherheitspolitische Zusammenarbeit, Kooperationen im Energiebereich – insbesondere bei der Kernenergie – und der Ausbau diplomatischer Vertretungen auf dem Kontinent. Afrikanische Regierungen nutzen die Zusammenarbeit mit Moskau im Rahmen einer diversifizierten Außen- und Wirtschaftspolitik, um eigene Interessen zu verfolgen und ihre internationalen Partnerschaften zu erweitern. Die Beziehungen sind jedoch auch von Spannungen geprägt, etwa durch die Kritik an Russlands Sicherheitsengagement in Mali und Berichte über die Rekrutierung afrikanischer Staatsangehöriger für den Krieg gegen die Ukraine. Auch das 2019 von Putin angekündigte Ziel, das Handelsvolumen mit Afrika binnen fünf Jahren auf 40 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln (Pressespiegel KW 30/2023), wurde bislang nicht erreicht. Inwieweit die im neuen Aktionsplan vereinbarten Vorhaben umgesetzt werden und sich in konkreten wirtschaftlichen Ergebnissen niederschlagen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Algerien beschließt Truppeneinsatz in Niger
Am Montag ordnete Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune die Entsendung von Einheiten der Nationalen Volksarmee (ANP) nach Niger an. Beide Parlamentskammern hatten dem Einsatz am Sonntag in geschlossenen Sitzungen zugestimmt. Grundlage für den Beschluss ist ein Ersuchen der nigrischen Behörden; die Truppen sollen gemeinsame algerisch-nigrische Wirtschafts- und Energieinteressen schützen. Umfang und Beginn des Einsatzes sind bislang nicht bekannt. Es wäre der erste Auslandseinsatz algerischer Bodentruppen seit 1973, als Algerien Truppen zur Unterstützung Ägyptens im Krieg gegen Israel schickte.
Berichten zufolge sollen die algerischen Einheiten in Madama im Norden Nigers auf dem Gelände einer ehemaligen französischen Militärbasis nahe der libyschen Grenze stationiert werden. Senator Belkacem Boulghiti erklärte nach der Abstimmung, die Soldatinnen und Soldaten sollten nicht in Kampfhandlungen eingreifen, sondern wirtschaftliche Infrastruktur, insbesondere Ölanlagen, schützen; der Einsatz solle begrenzt bleiben. Der staatliche Öl- und Gaskonzern Sonatrach erkundet über seine Tochtergesellschaft SIPEX den Kafra-Block im Norden Nigers, rund 85 Kilometer von der algerischen Grenze entfernt. Die Bohrarbeiten begannen am 13. August. Zudem arbeiten Algerien, Niger und Nigeria am Bau der mehr als 4.000 Kilometer langen Transsahara-Gaspipeline, die künftig nigerianisches Erdgas über Niger und Algerien nach Europa transportieren soll.
Die militärische Zusammenarbeit zwischen Algerien und Niger intensivierte sich nach dem Aufstand von Teilen des nigrischen Militärs Ende August (Pressespiegel KW 36/2026). Algerien sicherte Niger als erstes Land seine volle Solidarität zu und entsandte am 30. August auf Bitte der nigrischen Behörden vier Su-30-Kampfjets sowie ein Luftbetankungsflugzeug zur Unterstützung der nigrischen Streitkräfte. Bei einem Besuch des nigrischen Verteidigungsministers Salifou Mody in Algier unterzeichneten beide Länder am 21. Oktober zudem ein Militärkooperationsprotokoll, das die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit vertiefen soll. Der Annäherung gingen wiederholt Spannungen voraus. Algerien hatte den Militärputsch von 2023, durch den General Abdourahamane Tiani in Niger an die Macht kam, zunächst kritisiert. Im April 2025 verschärften sich die regionalen Spannungen, nachdem die algerische Armee eine malische Drohne nahe der Grenze abgeschossen hatte. Niger, Mali und Burkina Faso riefen daraufhin ihre Botschafter aus Algier zurück; die diplomatischen Beziehungen zwischen Algerien und Mali wurden inzwischen wieder aufgenommen.
Die nun beschlossene Truppenentsendung fällt in eine Phase, in der sich die Sicherheitsordnung im Sahel neu formiert und die regionale Konkurrenz um Einfluss wächst. So plant Marokko ein Gaspipelineprojekt entlang der westafrikanischen Atlantikküste, das eine alternative Transportroute für nigerianisches Erdgas nach Europa schaffen und Marokkos wirtschaftliche Beziehungen in Westafrika ausbauen soll. Der Einsatz könnte Algerien nicht nur ermöglichen, seine Energieinteressen in Niger besser abzusichern und damit seine Position im regionalen Wettbewerb zu stärken, sondern auch eine direkte militärische Präsenz in einem Nachbarland aufzubauen. Einige Beobachterinnen und Beobachter werten die Entsendung als möglichen Wandel der traditionell zurückhaltenden algerischen Militärpolitik. Ob sie tatsächlich den Beginn einer dauerhaft aktiveren militärischen Rolle Algeriens in der Region markiert, bleibt angesichts des bislang nicht näher definierten Einsatzauftrags offen.
Und sonst?
Am Donnerstag endete das Africa Forum on Harnessing Science and Innovation for Agrifood Systems Transformation in Addis Abeba. Die vom Regionalbüro der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gemeinsam mit Partnerorganisationen ausgerichtete dreitägige Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wissenschaft und Innovation afrikanische Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltiger und widerstandsfähiger machen können. Neben klimaangepassten Anbaumethoden und einem effizienteren Umgang mit natürlichen Ressourcen wurde diskutiert, wie neue Technologien in die landwirtschaftliche Praxis übertragen und durch Investitionen und internationale Zusammenarbeit breiter verfügbar gemacht werden können. Auch Süd-Süd- und Dreieckskooperationen wurden als Möglichkeiten des Wissens- und Erfahrungsaustauschs thematisiert. Trotz seines erheblichen landwirtschaftlichen Potenzials und eines Anteils von rund 60 Prozent an den weltweit ungenutzten Ackerflächen bleibt Afrika Nettoimporteur von Lebensmitteln. Allein die Länder Subsahara-Afrikas geben jährlich rund 65 Milliarden US-Dollar für Lebensmittelimporte aus.
Veranstaltungshinweis
Vom 9. bis 15. November 2026 findet die 19. Ausgabe des Filmfestivals „AFRIKAMERA – Aktuelles Kino aus Afrika“ an verschiedenen Spielorten in Berlin statt. Unter dem diesjährigen Themenschwerpunkt „REFLECT“ widmet sich das Festival Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, die sich mit den ökologischen Folgen des Kolonialismus, dem Klimawandel und dem Kampf um Ressourcen auseinandersetzen. Eröffnet wird das Festival mit dem Film „BEN’IMANA (LES ENFANTS DE DIEU)“ von Marie-Clémentine Dusabejambo, der von den generationsübergreifenden Traumata des Genozids an den Tutsi 1994 und dem anschließenden Versöhnungsprozess erzählt. Weitere Programmpunkte sind das 360°-Screening „WATER & COLTAN“, das die Folgen des Bergbaus für Land und Gemeinschaften in Westdeutschland und der Demokratischen Republik Kongo beleuchtet, sowie das begleitende Panel „Warum ist der Kongo nicht das reichste Land der Welt?“. Das vollständige Programm ist hier abrufbar.