Verleihung des Ehrenpreises der Deutschen Afrika Stiftung 2026 an Stève Hiobi

Hintergrund

Für seinen Einsatz für ein differenzierteres und faktenbasiertes Afrikabild wurde Stève Hiobi, besser bekannt als „Dein Bruder Stève“, mit dem Ehrenpreis der Deutschen Afrika Stiftung 2026 ausgezeichnet. Im anschließenden Gespräch mit Sabine Odhiambo, Generalsekretärin der Deutschen Afrika Stiftung, sprach der Ehrenpreisträger über seinen persönlichen Werdegang, die Rolle sozialer Medien sowie die Verantwortung von Politik, Medien und Gesellschaft für eine differenzierte Auseinandersetzung mit Afrika.

Highlights

• Die öffentliche Debatte über Afrika in Deutschland bewegt sich weiterhin zwischen wachsendem Interesse und fortbestehenden Stereotypen; entscheidend ist eine stärkere Einordnung komplexer Zusammenhänge.
• Soziale Medien können Interesse für afrikanische Länder und Gesellschaften wecken – entscheidend sind dabei sorgfältige Recherche, Einordnung und verantwortungsvolle Vermittlung.
• Es brauche mehr Bereitschaft, Perspektiven der Afrodiaspora in Medien, Politik und anderen gesellschaftlichen Institutionen stärker einzubeziehen und Diversität in Entscheidungs- und Redaktionsräumen zu fördern.
• Die Politik müsse Ziele und Wirkungen deutscher Afrika- und Entwicklungspolitik der Bevölkerung besser vermitteln und durch mehr Erklärungsarbeit Verständnis für afrikapolitische Zusammenhänge stärken.

Im Gespräch

Ein differenzierteres Afrikabild vermitteln
Den Ausgangspunkt seiner Arbeit als Content Creator beschrieb Hiobi als eine persönliche Frustration über die einseitige Darstellung Kameruns und anderer afrikanischer Themen auf der sozialen Medienplattform TikTok. Während der COVID-19-Pandemie begann er deshalb, selbst Inhalte zu veröffentlichen und politische, gesellschaftliche sowie historische Themen rund um den afrikanischen Kontinent verständlich und differenziert aufzubereiten. Entgegen seiner anfänglichen Erwartungen, dass sich nur wenige Menschen dafür interessieren würden, bestärkten ihn die positiven Rückmeldungen darin, seinen Content weiterzuentwickeln. Eine feste Agenda verfolge er dabei nicht. Vielmehr greife er Themen auf, die ihn selbst interessierten und von denen er hoffe, auch bei anderen Neugier auf Afrika zu wecken.

Ein Kernthema des Gesprächs war die Frage, wie Afrika in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen und dargestellt wird. Hiobi beschrieb die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit als einen Prozess, der sich in Wellen entwickle: Während er immer wieder feststelle, dass Interesse und Verständnis für afrikanische Themen zunehmen, gebe es zugleich Debatten, in denen weiterhin grundlegendes Wissen fehle oder bestehende Stereotype sichtbar würden. Deshalb sei es wichtig, unterschiedliche Wissensstände anzusprechen und sowohl komplexe Zusammenhänge als auch grundlegende Inhalte zugänglich aufzubereiten.

Als Beispiel für die Herausforderungen öffentlicher Debatten nannte Hiobi die Diskussion um Äußerungen des Fußball-Kommentators Bastian Schweinsteiger zur ivorischen Nationalmannschaft im Rahmen der aktuellen Fußballweltmeisterschaft. Schweinsteiger hatte die Spielweise der Mannschaft unter anderem als „unorthodox“, „wild“ und „nicht ganz so von der Taktik geprägt“ beschrieben und von einem „afrikanischen Fußball“ gesprochen, der dadurch unberechenbar sei. Aus Hiobis Sicht hätte diese Diskussion eine Gelegenheit sein können, darüber zu sprechen, wie Sprache wirkt und welche Bilder durch bestimmte Begriffe reproduziert werden. Stattdessen sei die Debatte schnell auf die Frage zugespitzt worden, ob einzelne Personen rassistisch seien, wodurch der eigentliche Kritikpunkt an der Wortwahl in den Hintergrund gerückt sei. In seiner eigenen Arbeit versuche er, solche Diskussionen einzuordnen und verständlich aufzubereiten, anstatt zur weiteren Polarisierung beizutragen.

Soziale Medien als Chance und Verantwortung
Soziale Medien sieht Hiobi zugleich als Chance und Herausforderung. Plattformen wie TikTok ermöglichten es ihm, komplexe historische und politische Themen zugänglich aufzubereiten und Interesse für den afrikanischen Kontinent zu wecken. Gleichzeitig berge die schnelle Verbreitung von Inhalten auch die Gefahr von Vereinfachung, Polarisierung und Emotionalisierung. Mit seiner Selbstbezeichnung als „Afrofluencer“ beschreibt Hiobi seinen Ansatz, durch seine Inhalte Wissen zu vermitteln und Menschen für afrikanische Themen zu interessieren. Dabei gehe es ihm weniger darum, gezielt Mechanismen für möglichst große Reichweite zu nutzen, sondern darum, verlässliche und verständliche Inhalte bereitzustellen. Die Rückmeldungen seiner Community bestärkten ihn darin, diese Arbeit trotz des damit verbundenen Zeitaufwands fortzuführen.

Hinter seinen Beiträgen stecke ein erheblicher Rechercheaufwand, so Hiobi. Die größte Herausforderung bestehe darin, aus einem komplexen Thema einen verständlichen Zugang zu entwickeln, der Interesse wecke und Menschen dazu motiviere, sich weiter mit afrikanischen Ländern und Gesellschaften auseinanderzusetzen. Dabei greife er auch auf lokale Quellen zurück, was aufgrund von Sprachbarrieren und der Verfügbarkeit geeigneter Informationen teilweise herausfordernd sei. Die Erstellung eines etwa eineinhalbminütigen Videos könne inklusive Recherche, Produktion und Schnitt rund vier Stunden in Anspruch nehmen. Hiobi betonte, dass er diese Arbeit auch durch die Unterstützung seiner Familie fortführen könne.

Die Arbeit in den sozialen Medien sei für Hiobi auch mit einer besonderen Verantwortung verbunden, da viele Menschen, insbesondere jüngere Zielgruppen, diese Plattformen als erste Informationsquelle nutzten. Aus seiner Sicht sollten traditionelle Medien Content Creator dabei nicht als Konkurrenz betrachten, sondern stärker Möglichkeiten der Zusammenarbeit suchen. Auch mit Anfeindungen und Hasskommentaren sei er konfrontiert, versuche diesen jedoch mit Gelassenheit und teilweise mit Humor zu begegnen. Entscheidend sei für ihn, durch seine Inhalte zur Einordnung von Debatten und so Polarisierungen, die gesellschaftliche Debatte nicht voranbringe, erst gar nicht entstehen zu lassen.

Mehr Perspektiven in Politik, Medien und Gesellschaft
Für ein differenzierteres Bild afrikanischer Länder und Gesellschaften in Deutschland brauche es laut Hiobi zunächst die Bereitschaft, sich inhaltlich mit diesen auseinanderzusetzen. Besonders wichtig sei es, die Perspektive der Afrodiaspora wahr- und ernst zu nehmen. Redaktionsräume, Vereine, Stiftungen und Politik müssten diese Perspektiven stärker einbeziehen, sich diverser aufstellen und gemeinsam daran arbeiten, positive Veränderungen anzustoßen. Auch der Politik komme dabei eine wichtige Rolle zu: Sie müsse die Ziele und Wirkungen deutscher Afrika- und Entwicklungspolitik gegenüber der Bevölkerung stärker erklären. Fehlendes Wissen und mangelndes Verständnis könnten zu Skepsis führen; mehr Erklärungsarbeit könne hingegen dazu beitragen, Interesse und Akzeptanz für afrikapolitische Themen zu stärken.

Hier können Sie die Zusammenfassung der Veranstaltung herunterladen.

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TrägerInnen Ehrenpreis