Besuch von Taiwans Präsident Lai Ching-te in Eswatini
Am Montag endete ein dreitägiger Besuch des taiwanesischen Präsidenten Lai Ching-te in Eswatini. Dort traf Lai mit Eswatinis Staatsoberhaupt, König Mswati III., zusammen. Die beiden Staatschefs führten Gespräche über die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur und Bildung. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten beide Staaten die Fortsetzung ihrer Partnerschaft. Zu konkreten Kooperationsprojekten zählt zum einen der Taiwan Industrial Innovation Park, der als Industrie- und Technologiehub taiwanesische Investoren und Produzenten anlocken und lokale Arbeitsplätze schaffen soll, zum anderen die Strategic Oil Reserve Facility, die als erstes Treibstoffreservelager des Landes die Energiesicherheit Eswatinis erhöhen soll. Lai ließ sich im Rahmen seines Besuchs zum Fortschritt beider Projekte briefen, die 2027 und 2028 fertiggestellt werden sollen. Auch besuchte er das neu eingeweihte International Convention Centre (Ezulwini Palazzo), ein luxuriöses internationales Konferenzzentrum, welches mit taiwanesischer Unterstützung gebaut wurde. Zudem unterzeichneten die eswatinische Außenministerin Pholile Shakantu und ihr taiwanesischer Amtskollege Lin Chia-lung ein Abkommen über gegenseitige Amtshilfe in Zollangelegenheiten. Dieses soll den Handel zwischen beiden Ländern erleichtern, Zollverfahren effizienter gestalten und den regulatorischen Rahmen für den grenzüberschreitenden Handel verbessern.
Ursprünglich war Lais Reise für den 22. bis 26. April geplant, um am 40. Jahrestag der Thronbesteigung von König Mswati III. sowie an dessen Geburtstagsfeier teilzunehmen. Der Besuch wurde jedoch verschoben, nachdem Madagaskar, Mauritius und die Seychellen kurzfristig die Überflugrechte für das taiwanesische Präsidentenflugzeug widerrufen hatten. Nach Angaben des taiwanesischen Präsidialamts seien diese Entscheidungen infolge „intensiven Drucks“ und „wirtschaftlicher Nötigung“ durch China erfolgt. Der Besuch fand daher am Samstag ohne vorherige Ankündigung statt. Nach dem Besuch Lais bezeichnete ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums den taiwanesischen Präsidenten als „internationale Lachnummer“ und erklärte, Lai habe sich mithilfe eines ausländischen Flugzeugs von der Insel „herausgeschmuggelt“. Zudem bekräftigte er die chinesische Position, dass Taiwan ein Teil Chinas sei, und forderte Eswatini auf, seine Unterstützung für Taiwan einzustellen. Die USA erklärten hingegen, die Reise sei Teil regulärer taiwanesischer Diplomatie und solle nicht politisiert werden. So habe auch Lais Vorgänger Eswatini 2023 und 2018 besucht.
Eswatini ist der einzige afrikanische Staat, der diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1968 verbindet Eswatini und Taiwan eine enge Partnerschaft. Diese umfasst Investitionen, Entwicklungsprojekte sowie Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung und Gesundheit. Laut taiwanesischen Quellen sind 20 bis 30 taiwanesische Unternehmen in Eswatini tätig, die insgesamt 13.000 Menschen beschäftigen. Das Textilunternehmen Tex-Ray soll demnach der größte Arbeitgeber des Landes sein. Im Gegenzug setzt sich Eswatini auf internationaler Ebene für Taiwan ein, etwa durch die Forderung einer stärkeren Einbindung Taiwans in globale Plattformen im Rahmen der UN. Die Partnerschaft ist daher auch symbolisch von großer Bedeutung für Taiwan. Einige Analystinnen und Analysten kritisieren jedoch, dass die taiwanesischen Investitions- und Entwicklungsgelder vor allem dem Königshaus und lokalen Eliten zugutekämen. König Mswati III. hat seinerseits Taiwan bereits 18-mal offiziell besucht, zuletzt 2022.
China fordert seit Jahrzehnten von Staaten, seine „Ein-China-Politik“ einzuhalten und ihre formellen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen. Auch Eswatini ist davon betroffen. Am Freitag hob China die Zölle für weitere 20 afrikanische Staaten auf, sodass nun 53 von 54 afrikanischen Ländern Anspruch auf eine „zollfreie Behandlung“ ihrer Waren haben. Von dieser Regelung ausgenommen bleibt jedoch Taiwans Verbündeter Eswatini.
Spannungen in Tigray und zwischen Äthiopien und Sudan
Am Dienstag wurde der Vorsitzende der Tigray People’s Liberation Front (TPLF), Debretsion Gebremichael, in der Hauptstadt der nordäthiopischen Region Tigray, Mekelle, zum Präsidenten der Regionalregierung Tigrays ernannt. Der stellvertretende Parteivorsitzende Amanuel Assefa gab zudem die Berufung von Kiros Hagos zum Vorsitzenden (Speaker) und Mihret Berhe zum stellvertretenden Vorsitzenden (Deputy Speaker) des von der TPLF wieder eingeführten Regionalparlaments (Tigray Regional State Council) bekannt. Mit der Wiederherstellung der Regionalstrukturen aus den Zeiten vor dem Bürgerkrieg stellt die TPLF Analysen zufolge das im November 2022 geschlossene Pretoria-Abkommen, das die alten Strukturen suspendierte und die Tigray Interim Administration (TIA) einsetzte, infrage. Die TPLF wirft ihrerseits jedoch der Regierung von Premierminister Abiy Ahmed vor, selbst gegen das Abkommen verstoßen zu haben. Insbesondere kritisiert sie die anhaltende Präsenz nicht-staatlicher bewaffneter Akteure in der Region, die Zurückhaltung finanzieller Mittel, die ausbleibende Rückführung von Binnenvertriebenen sowie die im April von der äthiopischen Bundesregierung bekannt gegebene Verlängerung des Mandats der TIA, die entgegen dem Abkommen ohne Abstimmung mit der TPLF erfolgt sein soll. Der Übergangspräsident der TIA, Tadesse Worede, erklärte währenddessen, im Amt bleiben zu wollen. Damit stehen sich nun zwei rivalisierende politische Autoritäten in der Region gegenüber; Beobachterinnen und Beobachter sehen den ohnehin fragilen Frieden gefährdet.
Erschwerend hinzu kommen steigende Spannungen zwischen Äthiopien und Sudan. So beschuldigte Sudans Militärregierung in einer offiziellen Stellungnahme vom Dienstag Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), an Drohnenangriffen auf den Flughafen der sudanesischen Hauptstadt Khartum beteiligt gewesen zu sein. Nach Angaben eines Militärsprechers seien mehrere Angriffe vom äthiopischen Flughafen Bahir Dar aus gestartet worden. Die eingesetzten Drohnen stammten demnach aus den VAE. Zur Begründung verwies die sudanesische Armee auf Auswertungen von Flugdaten sowie auf Untersuchungen einer Drohne, die Mitte März in den sudanesischen Luftraum eingedrungen sei. Die Regierung in Khartum wertete dies als direkte Aggression, die nicht unbeantwortet bleiben werde. Der sudanesische Außenminister Mohi El-Din Salem erklärte zudem, Sudan sei bereit, eine offene Konfrontation mit Äthiopien einzugehen. Auch wurde der sudanesische Botschafter in Äthiopien zu Konsultationen zurück nach Khartum berufen. Die äthiopische Regierung wies die Vorwürfe der Sudanese Armed Forces (SAF) in einer Stellungnahme des Außenministeriums als haltlos zurück und beschuldigte ihrerseits die SAF, die TPLF mit Waffen und finanziellen Mitteln sowie allgemein „antiäthiopische Kräfte” zu unterstützen. Die TPLF dementierte diese Anschuldigungen und erklärte, weder mit der sudanesischen Regierung zu kooperieren noch die regionale Stabilität zu untergraben. Gleichzeitig hob die Partei hervor, dass Sudan während und nach dem Bürgerkrieg humanitäre Hilfe geleistet habe, die nicht für politische Narrative instrumentalisiert werden dürfe.
Die Spannungen in der Region Tigray spitzen sich bereits seit Längerem zu. So kam es seit Januar wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen TPLF-Truppen und der Regierungsarmee. Mit der Wiedereinführung der Regionalregierung und des Regionalparlaments setzte die seit 2025 offiziell verbotene TPLF nun die Rückkehr zu den politischen Verwaltungsstrukturen der Vorbürgerkriegszeit um. Diese hatte sie bereits im April angekündigt, nur zwei Wochen nach der Entscheidung zur Fortführung der TIA. Die TIA hätte laut dem Pretoria-Abkommen gemeinsam von der TPLF und der äthiopischen Bundesregierung getragen werden und Tigray bis zu Neuwahlen verwalten sollen (Pressespiegel KW 45/2022).
Der zweijährige äthiopische Bürgerkrieg (2020 – 2022) gilt mit mehr als einer halben Million Todesopfern als einer der tödlichsten Konflikte der jüngeren Vergangenheit. Gleichzeitig sind laut Refugees International in Tigray weiterhin rund eine Million Menschen vertrieben. Internationale und regionale Beobachterinnen und Beobachter befürchten nun ein erneutes Aufflammen des Bürgerkriegs und warnen angesichts der äthiopisch-sudanesischen Spannungen vor einer regionalen Ausweitung des Konflikts. Die Anschuldigungen Sudans gegen Äthiopien sind nicht neu. Sudan wirft Äthiopien vor, den VAE logistische Unterstützung bereitzustellen, damit diese wiederum die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unterstützen. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters im Februar, Äthiopien betreibe ein Ausbildungslager für Tausende RSF-Kämpfer und habe den nahegelegenen Flughafen Asosa für Drohneneinsätze ausgebaut. Äthiopien und die VAE wiesen auch diese Anschuldigungen zurück.
Und sonst?
Am Sonntag endete die achte Ausgabe der World Athletics Relays in Botsuanas Hauptstadt Gaborone. Bei dem zweitägigen Wettbewerb traten 723 Athletinnen und Athleten aus 40 nationalen Verbänden in sechs Staffellauf-Kategorien an. Nachdem am Samstag bereits die Vorrunden stattfanden, siegte das botsuanische Quartett um den Olympiasieger Letsile Tebogo bei der 4×400-Meter-Staffel der Männer am Sonntag vor Südafrika in 2:54,47 Minuten – der drittschnellsten jemals gelaufenen Zeit über diese Distanz. Während Jamaika in der 4x100m Mixed-Staffel mit 39,62 Sekunden einen Weltrekord aufstellte und ebenso in der 4x100m-Staffel der Frauen siegreich war, sicherten sich die USA den Sieg in der 4x400m Mixed-Staffel vor Jamaika und Großbritannien und in der 4x100m Staffel der Männer vor Südafrika und Deutschland. Das Finale in der 4x400m Staffel der Frauen gewann Norwegen. Der 2014 eingeführte Wettbewerb diente zugleich als Qualifikation für die kommenden World Athletics Ultimate Championships in Budapest und für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2027 in Peking und fand erstmals in Afrika statt. Neben Preisgeldern von bis zu 40.000 US-Dollar gab es Medaillen, die anlässlich des 60. Unabhängigkeitsjubiläums Botsuanas mit heimischen Diamanten veredelt und durch lokale Handwerkskunst gefertigt wurden.
Veranstaltungshinweis
Am 12.5.2026 um 16:00 Uhr findet unter dem Titel „MEMENTO: Memory, Hope and the Birth of a New World Order” ein Vortrag der simbabwischen Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Deutschen Afrika-Preises 2025, Namatai Kwekweza, statt. Die europäisch-afrikanische Vortragsreihe, die bereits in Göteborg und Krakau Station gemacht hat, wird vom International Youth Think Tank (IYTT) und WELEAD Africa organisiert und von der Deutschen Afrika Stiftung unterstützt. Im Mittelpunkt der Reihe stehen die tiefgreifenden Veränderungen der internationalen Ordnung im 21. Jahrhundert. Dabei wird eine junge afrikanische Perspektive auf Fragen von Demokratie, Menschenrechten und globaler Governance in den Fokus gerückt. Ziel ist es, Impulse für eine differenzierte Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen zu geben, Afrika als aktiven geopolitischen Akteur sichtbar zu machen und die Bedeutung von „Erinnerung“ als Grundlage für eine gerechte und inklusive Zukunft hervorzuheben. Die Veranstaltung findet im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums, Geschwister-Scholl-Straße 1-3, 10117 Berlin, statt. Eine Teilnahme ist nach Anmeldung über den Registrierungslink möglich; zudem wird die Veranstaltung per Livestream übertragen.