Pressespiegel KW 42/2026: Hoher Einsatz?
Pressespiegel 9.10.2026 bis 16.10.2026

Mauretanien gibt seine neue Regierung bekannt

 

Am Samstag gab Mauretaniens Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani die Zusammensetzung einer neuen Regierung bekannt. Zuvor hatte Premierminister El Moctar Ould Djay am vergangenen Freitag den Rücktritt seiner Regierung beim Staatspräsidenten eingereicht, war aber noch am selben Tag von El Ghazouani per Dekret erneut zum Premierminister ernannt und mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt worden. Das neue Kabinett umfasst 29 Mitglieder: 27 Ministerinnen und Minister, den Generalsekretär der Regierung sowie einen beigeordneten Minister für Dezentralisierung. Acht Mitglieder sind Frauen.

Während unter anderem die Ressorts für Äußeres, Justiz, Bergbau und Industrie sowie Handel und Tourismus unverändert blieben, übernimmt Aïssata Lam künftig das Ministerium für Fischerei, maritime und Hafeninfrastruktur. Das Ressort steht vor der Aufgabe, die Verhandlungen mit der Europäischen Union über die Erneuerung des im November auslaufenden Fischereiabkommens zu führen. Auch mehrere Schlüsselressorts wurden neu besetzt, darunter die Ministerien für Verteidigung, Inneres sowie Energie und Erdöl. Letzteres übernimmt Mohamed Ould Abdel Vetah, der den Ministerposten bereits von 2016 bis 2020 innehatte und Mohamed Ould Khaled ersetzt, der der neuen Regierung nicht mehr angehört.

Der Rücktritt der Regierung erfolgte weniger als 24 Stunden nach der Übergabe des Untersuchungsberichts zu zwei Bränden im August in Umspannwerken der staatlichen Stromgesellschaft Société Mauritanienne d’Électricité (SOMELEC), die der fachlichen Aufsicht des Ministeriums für Energie und Erdöl untersteht. Der Bericht sieht eine institutionelle Verantwortung beim Ministerium und weist mehreren Funktionsträgerinnen und -trägern, darunter dem damaligen Energieminister Mohamed Ould Khaled, eine dienstliche Verantwortung zu. Die Untersuchung stellte unter anderem Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvorbereitung und -vergabe, Eignungsprüfung des Unternehmens, Kabelauswahl, Bauüberwachung und Inbetriebnahme fest. Auch seien die Anlagen trotz weiterhin bestehender technischer Vorbehalte und unvollständiger Schutzmaßnahmen in Betrieb genommen worden. Die Kommission empfahl unter anderem die Beendigung des Vertrags mit dem umsetzenden Unternehmen, eine umfassende Sicherheitsüberprüfung der SOMELEC-Anlagen sowie eine engere Zusammenarbeit mit dem Zivilschutz.

Die Brände am 21. und 22. August 2026 hatten erhebliche Schäden am Stromnetz verursacht und in Teilen der Hauptstadt Nouakchott für mehrere Tage zu Stromausfällen geführt. Die direkten Kosten bezifferte die Untersuchungskommission auf mehr als 220 Millionen Ouguiya (rund 4,9 Millionen Euro); die staatliche Stromgesellschaft veranschlagte weitere 143,9 Millionen Ouguiya (rund 3,2 Millionen Euro) für die Wiederherstellung der beiden Umspannwerke. Die wirtschaftlichen Verluste infolge der Stromausfälle werden auf 0,07 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal 2026 geschätzt. Die Präsidentschaft bestätigte bislang keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Untersuchungsbericht und dem Rücktritt der Regierung, wies die Regierung jedoch an, sämtliche Empfehlungen umzusetzen, den Bericht zu veröffentlichen sowie bei nachgewiesenen Pflichtverletzungen administrative Sanktionen zu verhängen und gegebenenfalls rechtliche Verfahren einzuleiten.

 

 

Äthiopien eröffnet seine erste Goldraffinerie

 

Am Samstag eröffnete Äthiopien in der Sonderwirtschaftszone Bole Lemi nahe der Hauptstadt Addis Abeba seine erste Goldraffinerie. Die National Precious Metals Refinery soll jährlich mehr als 600 Tonnen Edelmetalle verarbeiten können. Neben der Prüfung und Raffination von Gold und Silber umfasst das Angebot auch das Gießen und Prägen von Gold- und Silberbarren in unterschiedlichen Reinheitsgraden sowie die Verarbeitung von Gold zu exportfähigen Barren. Die Anlage wurde mit einer Anfangsinvestition von 50 Millionen US-Dollar als Joint Venture gegründet. Die staatliche Ethiopian Investment Holdings hält 51 Prozent der Anteile, die übrigen 49 Prozent entfallen auf das in Dubai ansässige Unternehmen Sam Precious Metals.

Mit der Raffinerie will Äthiopien mehr Verarbeitungsschritte im eigenen Land durchführen und sich zugleich als regionaler Standort für die Edelmetallverarbeitung etablieren. Im Haushaltsjahr 2025/2026 nahm Äthiopien nach Regierungsangaben rund 5,5 Milliarden US-Dollar durch Goldexporte ein – etwa die Hälfte seiner gesamten Exporteinnahmen. Premierminister Abiy Ahmed erklärte, die Anlage solle auch Gold aus Nachbarländern verarbeiten und zertifizieren können. Ob sie sich als regionaler Verarbeitungsstandort durchsetzen kann, wird nach Einschätzung von Analystinnen und Analysten unter anderem davon abhängen, ob sie neben äthiopischem Gold auch Edelmetalle aus anderen afrikanischen Ländern zur Verarbeitung anziehen und eine internationale Akkreditierung erhalten kann.

Die Eröffnung der Raffinerie fällt zudem in eine Phase wachsender sicherheitspolitischer Spannungen in der Region. Anfang Oktober berichteten mehrere Medien über einen Vorstoß eritreischer Truppen in die nordäthiopische Region Tigray, unter anderem in Richtung der strategisch wichtigen Stadt Adigrat nahe der Grenze zu Eritrea. In den folgenden Tagen kam es zu äthiopischen Drohnenangriffen auf eritreische Militärfahrzeuge, bevor äthiopische Regierungstruppen und verbündete Milizen in die Stadt einrückten. Vergangenen Freitag wandte sich Äthiopiens Außenminister Gedion Timothewos mit einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und bezeichnete die Präsenz eritreischer Truppen auf äthiopischem Staatsgebiet als „Akt der Aggression“, der das Recht seines Landes auf Selbstverteidigung begründe. Eritrea wies die Vorwürfe in einem eigenen Schreiben zurück und bezeichnete Äthiopiens Berufung auf das Recht auf Selbstverteidigung als Versuch, einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, mit dem sich das Land gewaltsam Zugang zum Roten Meer verschaffen wolle. Asmara forderte daher den Sicherheitsrat auf, Äthiopiens Vorgehen als „Kriegserklärung“ zu verurteilen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Am Dienstag tagte der Sicherheitsrat diesbezüglich hinter verschlossenen Türen, ein offizielles Statement gibt es noch nicht.

Die Eskalation zwischen Addis Abeba und Asmara findet rund zwei Wochen nach der Wiederaufnahme der Kämpfe im Norden Äthiopiens statt (Pressespiegel KW 32/2026). Dabei kämpfen die Truppen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) gemeinsam mit einem Bündnis aus sechs weiteren bewaffneten Gruppen (Pressespiegel KW 39/2026) gegen die äthiopischen Regierungstruppen. Äthiopien hatte Eritrea in den vergangenen Monaten bereits mehrfach beschuldigt, bewaffnete Gruppen im eigenen Land zu unterstützen. Zuletzt konnten die äthiopischen Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Kräfte ihre Kontrolle über weitere Gebiete in Tigray ausweiten. Nachdem die TPLF sich Anfang Oktober aus der Regionalhauptstadt Mekelle zurückgezogen hatte, nahmen Regierungstruppen unter anderem Aksum und Zalambessa ein und rückten bis an die Grenze zu Eritrea vor. Heute ernannte Abiy eine Übergangsregierung für Tigray, die innerhalb von sechs Monaten Wahlen vorbereiten soll.

 

 

Und sonst?

 

Die Formel 1 kündigte am Dienstag ihre Rückkehr nach Afrika an: Ab Anfang der 2030er-Jahre soll Ruanda für zehn Jahre Gastgeber eines Grand Prix werden. Geplant ist dafür der Bau einer neuen Rennstrecke im Distrikt Bugesera, rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali und nahe dem ebenfalls neuen internationalen Flughafen. Die vom ehemaligen Formel-1-Fahrer Alex Wurz mitentworfene Strecke soll sich in die natürliche Landschaft einfügen und die Höhenunterschiede des Geländes für den Streckenverlauf nutzen. Ein konkreter Termin für das Debütrennen steht allerdings noch aus. Der Grand Prix wird unter der Marke Visit Rwanda vermarktet, mit der das Land auch international für seine touristischen Angebote wirbt. Formel-1-Chef Stefano Domenicali bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Schritt zur globalen Expansion des Sports. Sie bringe „die Weltmeisterschaft den Fans rund um den Globus näher denn je.“ Das letzte Formel-1-Rennen in Afrika fand 1993 beim Grand Prix von Südafrika in Kyalami statt.

 

 

Veranstaltungshinweis

 

Am 23. und 24. November 2026 finden die Potsdamer Afrikagespräche 2026 im Brandenburg Museum für Zukunft, Gegenwart und Geschichte in Potsdam statt. Unter dem Titel „Mehr Partnerschaft wagen? Afrika und die Zukunft internationaler Zusammenarbeit“ widmet sich das Dialogformat der Frage, wie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern angesichts globaler Umbrüche und veränderter entwicklungspolitischer Rahmenbedingungen gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei unterschiedliche Perspektiven auf internationale Zusammenarbeit, die Zukunft der deutschen Entwicklungspolitik sowie die Rolle von Politik und Wirtschaft bei der Gestaltung verlässlicher und gleichberechtigter Partnerschaften. Das Programm umfasst unter anderem Diskussionen zu Nord-Süd- sowie Süd-Süd-Kooperationen, entwicklungspolitischen Reformen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Die Potsdamer Afrikagespräche werden von der Stiftung Entwicklung und Frieden (sef:) veranstaltet und bringen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

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