Madagaskars Präsident zu Besuch in Paris
Am Dienstag empfing Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den madagassischen Interimspräsidenten Oberst Michaël Randrianirina im Élysée-Palast in Paris. Es war das erste Treffen der beiden Staatsoberhäupter seit der Machtübernahme Randrianirinas im Oktober vergangenen Jahres (Pressespiegel KW 42 /2025). In einer gemeinsamen Erklärung kündigten beide Seiten eine „erneuerte, ausgewogene und entschlossen zukunftsorientierte Partnerschaft“ an und verständigten sich auf gemeinsame Leitlinien für die bilaterale Zusammenarbeit. Diese umfassen politische Beziehungen, wirtschaftliche Entwicklungen sowie die Fortführung der Sicherheits- und Verteidigungskooperation. Der auf zwei Jahre angelegte Kooperationsrahmen orientiert sich dabei zeitlich am madagassischen Übergangsprozess zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung. Macron bekräftigte die Unterstützung Frankreichs bei diesem Übergangsprozess und der Organisation freier und transparenter Wahlen und betonte, Frankreich wolle ein verlässlicher Partner bleiben.
Während des Besuchs führten Macron und Randrianirina zudem Gespräche über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Bei einem Treffen mit dem französischen Arbeitgeberverband MEDEF wurden finanzielle Vereinbarungen für 29 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ein bis zwei Milliarden Euro getroffen. Diese konzentrieren sich auf die Bereiche Tourismus, berufliche Ausbildung, digitale Technologien sowie den Energiesektor. Hier wurden insgesamt fünf Vorhaben identifiziert, darunter Solarenergieprojekte, dezentrale Mini-Grids in ländlichen Regionen sowie die längerfristigen Wasserkraftprojekte an den Standorten Volobe und Sahofika, um Stromausfälle zu verringern und die Versorgungssicherheit zu verbessern. Frankreich kündigte außerdem an, die humanitäre Hilfe nach den jüngsten Zyklonen Fytia und Gezani, die insbesondere den Osten des Inselstaates schwer getroffen haben, fortzuführen und auszubauen, sofern Präsident Randrianirina dies wünsche. Paris entsandte bisher 11,5 Tonnen Hilfsgüter sowie Rettungs- und technische Expertenteams von Réunion nach Madagaskar.
Die Vorbereitung des Kooperationsrahmens zwischen Paris und Antananarivo erfolgte bereits im Vorfeld des Treffens der beiden Staatsoberhäupter. Beobachterinnen und Beobachter bewerten das Treffen als wichtigen Schritt zur Annäherung und Normalisierung der diplomatischen Beziehungen, nachdem Frankreich im vergangenen Jahr den ehemaligen Präsidenten Andry Rajoelina bei seiner Flucht aus dem Land unterstützt hatte. Im November 2025 hatten Macron und Randrianirina erstmals nach dem Machtwechsel im Oktober telefoniert. Macron begrüßte dabei Reformankündigungen, den Kampf gegen Korruption sowie den Dialog mit der Zivilgesellschaft und sicherte Unterstützung für den Übergangsprozess zu.
Frankreich gilt mit einem Handelsvolumen von nahezu einer Milliarde Euro als Madagaskars wichtigster bilateraler Partner. Neben der strategisch wichtigen Lage des Inselstaates im Indischen Ozean verfügt Madagaskar auch über große Vorkommen an Kobalt und Nickel, die insbesondere für die Energiewende von Bedeutung sind. Nach Putschen in Ländern wie Burkina Faso, Mali und Niger, die sich von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ab- und Russland zugewandt haben, konkurriert Paris auch in Madagaskar zunehmend um Einfluss. Beobachterinnen und Beobachter werten die Annäherung an Madagaskar daher als politisches Signal vor dem Afrika-Frankreich-Gipfel im Mai 2026 in Nairobi für eine an die multipolare Realität angepasste französische Afrikapolitik.
Madagaskar verfolgt unterdessen eine Strategie der Diversifizierung seiner internationalen Partnerinnen und Partner. Vergangenen Freitag reiste Randrianirina zu Gesprächen mit Wladimir Putin nach Moskau, um die militärische Zusammenarbeit zu stärken. Russland hatte zuvor ebenfalls Hilfsgüter für die Opfer der Zyklone bereitgestellt und am Tag vor dem Treffen in Paris die Ankunft von 60 Tonnen Nahrungsmittelhilfen verkündet. Seit seiner Vereidigung besuchte Madagaskars Interimspräsident außerdem die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Südafrika, wo er mit Präsident Cyril Ramaphosa zusammentraf, der nach dem Machtwechsel in Madagaskar den Vorsitz der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) übernommen hatte. Die Frist der SADC zur Vorlage des nationalen Fahrplans für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung läuft an diesem Samstag ab. Im Gegensatz zur Afrikanischen Union hatte die Organisation Madagaskar nach dem verfassungswidrigen Regierungswechsel nicht suspendiert.
Israels Präsident Herzog auf Staatsbesuch in Äthiopien
Am heutigen Freitag beendete der israelische Präsident Isaac Herzog einen mehrtägigen Staatsbesuch in Äthiopien – der erste Besuch eines israelischen Staatsoberhauptes seit 2018. Bereits am Mittwoch war Herzog in der Hauptstadt Addis Abeba eingetroffen, wo er von Präsident Taye Atske Selassie empfangen wurde. Im Anschluss traf er Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed, der auch weiterhin die Unterstützung Äthiopiens für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Beilegung des Israel-Palästina-Konflikts bekräftigte. Darüber hinaus wurden Möglichkeiten der vertieften Zusammenarbeit in Bereichen von gemeinsamem Interesse besprochen; genaue Details wurden jedoch nicht bekannt gegeben. Herzog erklärte anschließend, Äthiopien sei ein wichtiges Land auf dem afrikanischen Kontinent und ein wichtiger Partner Israels, dessen Bevölkerung eng mit Israel verbunden sei. Dabei hob er die zentrale Rolle der rund 170.000 äthiopischen Jüdinnen und Juden hervor, deren kulturelles Erbe die israelische Gesellschaft bereichere.
Somaliland, eine de facto autonome Region im Norden Somalias, die von Mogadischu als Teil seines Territoriums gesehen und international nicht als eigenständiger Staat anerkannt wird, stand laut offiziellen Angaben nicht auf der Gesprächsagenda. Israel aber hatte das Gebiet im vergangenen Dezember als erstes Mitglied der Vereinten Nationen als unabhängig anerkannt. Beobachterinnen und Beobachter gehen daher davon aus, dass die Frage der Anerkennung Somalilands eine wichtige Rolle in den Gesprächen einnahm. Israel hatte seine Beziehungen zu Somaliland zuletzt weiter ausgebaut. Im Januar besuchte Israels Außenminister Gideon Sa’ar die selbstverwaltete Region, um Gespräche mit Somalilands Präsident Abdirahman Mohamed Abdullahi zu führen. Der Besuch rief erneut Proteste von Seiten Somalias, aber auch von Partnern wie etwa der Türkei und der Europäischen Union (EU) hervor. Äthiopien hatte im Jahr 2024 eine Absichtserklärung mit Somaliland unterzeichnet, das dem Binnenstaat Äthiopien Meereszugang gewähren sollte. Im Gegenzug stellte Addis Abeba eine mögliche Anerkennung von Somalilands Unabhängigkeit in Aussicht, was zu einem diplomatischen Zerwürfnis mit Mogadischu führte (Pressespiegel KW 2/2024). Unter Vermittlung der Türkei verständigten sich beide Seiten im Dezember 2024 auf eine Deeskalation (Pressespiegel KW 3/2025).
Nur wenige Tage vor Herzogs Besuch absolvierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinen ersten Besuch in Äthiopien seit über einem Jahrzehnt. Der Besuch fiel mit dem 100-jährigen Jubiläum der Eröffnung der türkischen Botschaft in der äthiopischen Hauptstadt zusammen, einer der frühesten diplomatischen Vertretungen des Landes auf dem Kontinent. Bei seinem Treffen mit Abiy warnte Erdoğan, dass eine Anerkennung Somalilands weder Somaliland noch der regionalen Stabilität zuträglich sei. Auch hochrangige Delegationen aus Saudi-Arabien hatten Äthiopien in diesem Monat besucht, um über regionalen Frieden zu beraten.
Unterdessen werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Somaliland weiter formalisiert. Das israelische Außenministerium bestätigte am Mittwoch, dass mit Mohamed Hagi Somalilands erster Botschafter in Israel offiziell akkreditiert wurde. Medienberichten zufolge plant Israel seinerseits die Entsendung einer Botschafterin oder eines Botschafters innerhalb der nächsten Wochen. Zudem soll Somalilands Präsident Abdullahi bereits Ende des nächsten Monats zu einem ersten Staatsbesuch in Israel empfangen werden.
Und sonst?
Bei den British Academy Film Awards (BAFTA) am Sonntag gewann das britisch-nigerianische Drama My Father’s Shadow den Preis in der Kategorie Outstanding Debut by a British Writer, Director or Producer. Das Spielfilmdebüt der beiden Brüder Akinola Davies Jr. und Wale Davies erzählt die Geschichte von Akin und Remi, die einen seltenen Tag mit ihrem häufig abwesenden Vater in Nigerias ehemaliger Hauptstadt Lagos verbringen. Der Film spielt in einer Phase politischer Unsicherheit nach der annullierten Präsidentschaftswahl von 1993 in Nigeria. Er verbindet familiäre Momentaufnahmen mit Themen wie Erwachsenwerden, Vererbung, Tradition und Männlichkeitsbildern. Geprägt ist die Produktion zudem von den diasporischen Einflüssen der Filmemacher. My Father’s Shadow feierte im Mai vergangenen Jahres beim Festival de Cannes seine Premiere; es war dort die erste nigerianische Produktion in der offiziellen Auswahl. Seitdem wurde der Film, der von Kritikerinnen und Kritikern als einer der emotional präzisesten Debütfilme der letzten Jahre aus dem britisch-afrikanischen Raum gelobt wird, auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt, darunter auch beim AFRIKAMERA Filmfestival in Berlin im vergangenen November.